Absolute Armut: Was zeigen nationale und globale Statistiken? 

Das Wichtigste zum Thema „absolute Armut“

Was bedeutet „absolute Armut“ laut offizieller Definition?

Die Definition für absolute Armut sagt zum Beispiel aus, dass all die Menschen davon betroffen sind, die ihre Grundbedürfnisse (Essen, Kleidung, Unterkunft, medizinische Versorgung etc.) nicht länger durch ihr Einkommen selbst abdecken können. Wie das gemessen wird, erfahren Sie in diesem Abschnitt.

Wann gilt man als absolut arm?

Laut der Weltbank sind momentan alle Menschen absolut arm, die pro Tag weniger als den Minimalbetrag von 2,15 US-Dollar bzw. ungefähr 2 Euro zur Verfügung haben. Eine ausführlichere Zusammenfassung aller Indikatoren finden Sie hier.

Gibt es absolute Armut in Deutschland?

Ja, die absolute Armut in Deutschland kann auch anhand von Zahlen belegbar sein. Allerdings bewegen sich die staatlichen Datenerfassungen und Statistiken mehr im Bereich der relativen oder der sogenannten “monetären” Armut, die nicht klar als die eine oder andere definiert wird. Mehr zu den konkreten Statistiken können Sie hier nachlesen.

Die absolute Armutsgrenze: Was versteht man unter absoluter Armut?

Im Gegensatz zur relativen bezieht sich die absolute Armut auf die Menschen, die weltweit unter dem Existenzminimum leben.
Im Gegensatz zur relativen bezieht sich die absolute Armut auf die Menschen, die weltweit unter dem Existenzminimum leben.

Was ist die „absolute Armut“? Einfach erklärt werden kann der Begriff anhand eines Vergleichs mit seinem Gegenstück, der „relativen Armut“

Menschen fallen unter Ersteres, wenn sie nicht eigenständig dazu in der Lage sind, ihre grundlegenden Bedürfnisse wie Nahrung oder Wohnraum zu finanzieren. Zweiteres bezieht sich hingegen auf ihren gesamten Lebensstandard, wenn dieser im Vergleich zum erforderlichen Minimum (60 % des mittleren Einkommens) unterdurchschnittlich ist. Hierfür werden z.B. auch soziale Ungleichheiten (unzureichende Mittel für den Zugang zu höherer Bildung, Kulturveranstaltungen etc.) berücksichtigt.

Für die absolute Armut hat die Weltbank – welche seit 1990 für die Datenerfassung der globalen Armut verantwortlich ist – zudem über die letzten Jahrzehnte eine Verschiebung der Armutsgrenze verzeichnet. So lag diese z.B. im Jahr 2008 noch bei 1,25 US-Dollar pro Tag und wurde 2015 auf 1,90 US-Dollar angehoben. Im Jahr 2022 beschloss die Weltbank letztendlich den zurzeit gültigen Richtwert von 2,15 US-Dollar pro Tag. 

Daraus ergibt sich eine steigende Tendenz, nach der immer mehr Menschen weltweit von Armut betroffen sind. Der Anstieg lässt sich zwar zum Teil auch auf andere Faktoren (Finanzkrisen, Ukrainekrieg etc.) zurückführen. Jedoch hat besonders die Corona-Pandemie und die damit einhergehende Inflation die Miet- und Lebensmittelpreise in die Höhe getrieben. Im Umkehrschluss können somit auch weniger Menschen die Lebenshaltungskosten ihres Existenzminimums decken. 

In Deutschland wird die absolute Armut durch folgende Indikatoren unter anderem im Rahmen der Armutsforschung beurteilt:

  • geringe Lebenserwartung
  • geringes Einkommen
  • unzureichende bis keine medizinische Versorgung
  • Nahrungsmangel 
  • unzureichender bis kein Zugang zu sauberem Trinkwasser
  • hohe Kindersterblichkeitsrate
  • unzumutbare Wohn-/Unterkunftsverhältnisse

Wichtig: Defizite wie geringe Bildungschancen und mangelnde Teilhabe am politischen, kulturellen und gesellschaftlichen Leben werden ebenfalls berücksichtigt, fallen jedoch in den Bereich der relativen Armut.

Absolute Armut in der Statistik: Wie findet die Messung statt?

Absolute Armut: Die Statistik basiert in der Regel auf dem 2,15 US-Dollar-Richtwert der Weltbank.
Absolute Armut: Die Statistik basiert in der Regel auf dem 2,15 US-Dollar-Richtwert der Weltbank.

Trotz bestehender Definitionen lehnen viele Sozialforscher eine absolute Armutsdefinition ab. Zum einen hat sich die Vorstellung zum Existenzminimum historisch stark gewandelt (d. h. was im letzten Jahrhundert noch als extrem arm galt, hat heutzutage nicht mehr die gleiche Dimension). Neue technologische Fortschritte der letzten Jahrzehnte haben gleichzeitig aber auch den Zugang zu mehr und qualitativ hochwertigeren Ressourcen verbessert.

Zum anderen liegen weltweit zum Teil drastische gesellschaftliche Unterschiede vor. Was in einem wohlhabenden europäischen Staat als Existenzminimum angesehen wird, kann in einem entwicklungsschwächeren Land schon als durchschnittlicher bis luxuriöser Lebensstandard gelten. 

Während die generelle Aufnahme von Nahrung aber z.B. eins der wesentlichen Grundbedürfnisse darstellt, ist die Auswahl an Lebensmitteln für eine ausgewogene Ernährung je Land und Gesellschaft anders gegeben. Hier lässt sich also nur schwer eine einheitliche Regelung finden.

Diese Differenzen erschweren auch die statistische Erfassung für die absolute Armut. Deshalb erfolgt diese zumeist auf Grundlage des von der Weltbank eingeführten Richtwertes von 2,15 US-Dollar pro Tag. Damit lassen sich extrem arme Menschen anhand ihrer Einkommensarmut erfassen, obwohl es Variationen beim Lebensstandard gibt.

Globale Armutszahlen

Absolute Armut in weltweiten Zahlen: Es besteht ein deutliches Ungleichgewicht zwischen den Kontinenten (bspw. Afrika und Europa).
Absolute Armut in weltweiten Zahlen: Es besteht ein deutliches Ungleichgewicht zwischen den Kontinenten (bspw. Afrika und Europa).

Für das Jahr 2023 hat die Weltbank ca. 690 Millionen Menschen (11,8 % der Gesamtbevölkerung) prognostiziert, die auf der ganzen Welt in absoluter Armut leben. Damit erreichte das Niveau zum ersten Mal seit 2019 einen ähnlichen Wert wie vor Beginn der Pandemie, die jahrelang einen Anstieg in den globalen Armutszahlen bewirkt hat.

Konkrete Zahlen aus dem Vorjahr gibt es noch nicht. Allerdings ergab sich laut der Weltbank für das Jahr 2022 folgende Gewichtung für die absolute Armut weltweit in ihrer Statistik:

  • 448 Millionen Menschen in Subsahara-Afrika
  • 186,85 Millionen Menschen in Südasien
  • 26,31 Millionen Menschen in Nordafrika und im Nahen Osten
  • 22,62 Millionen Menschen in Lateinamerika und der Karibik
  • 22,35 Millionen Menschen in Ostasien und dem Pazifik
  • 2,25 Millionen Menschen in Europa und Zentralasien

Aus diesen Zahlen wird deutlich, dass mit Abstand die meisten Menschen im südlich der Sahara liegenden Teil Afrikas extrem arm sind, während in Zentralasien und Europa die wenigsten davon betroffenen Menschen leben.

Wie hoch ist die absolute Armut in Deutschland?

Für die absolute Armut in Deutschland sind keine Zahlen verfügbar. Geringverdienerfamilien mit Kindern sind aber bspw. häufiger betroffen.
Für die absolute Armut in Deutschland sind keine Zahlen verfügbar. Geringverdienerfamilien mit Kindern sind aber bspw. häufiger betroffen.

Absolute Armut kommt hier deutlich weniger vor als weltweit. 2005 gab es bspw. Schätzungen von 200.000 bis 800.000 Menschen, die ihre Grundbedürfnisse nicht mehr abdecken konnten. Allerdings lässt sich in einem wohlhabenden Staat wie Deutschland auch weniger davon ausgehen, dass Menschen um das schiere Überleben kämpfen müssen, sondern eher menschenwürdig leben möchten.

Aktuelle Zahlen beziehen sich deshalb in der Regel auf die relativ arme Bevölkerung (laut dem Statistischen Bundesamt rund 21,2 % oder 17,7 Millionen in 2023). Auch der dazugehörige Schwellenwert der sogenannten Armutsgefährdung wird oft genannt. Dieser lag 2023 bei 15.715 Euro brutto im Jahr für Alleinlebende und bspw. 33.002 Euro für zwei Erwachsene mit zwei Kindern unter 14 Jahren

9,8 % der Bevölkerung sind zusätzlich Teil eines Haushalts mit „sehr geringer Erwerbsbeteiligung“ (unter 20 % pro Jahr) gewesen. Das heißt, dass in einem Haushalt mit zwei Erwachsenen einer z.B. gar nicht erwerbstätig war und der andere von zwölf Monaten lediglich vier. 

Die am meisten von extremer Armut bedrohten Bevölkerungsgruppen sind folgende:

  • alleinerziehende Eltern
  • Geringverdiener
  • Arbeitslose
  • kinderreiche und/oder ausländische Familien
  • Rentner mit niedriger Rente
  • Personen mit mangelnder beruflicher Qualifikation

Wichtig: Tendenziell sind die jüngeren (Kinder unter 18 Jahren) und die älteren Bevölkerungsschichten (Rentner ab 65 Jahren) häufiger betroffen. Besonders die relative Kinderarmut ist in Deutschland laut des Paritätischen Gesamtverbandes auf einem hohen Niveau (21,8 % oder jedes fünfte Kind in 2023). Für die absolute Armut sind keine Zahlen bekannt. Diese stellt deutschlandweit allerdings auch grundsätzlich ein geringeres Problem dar als bspw. in Teilen Afrikas. 

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Über den Autor

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Arnhold H.

Seit 2024 verstärkt Arnhold die schuldnerberatung.de-Redaktion. Vorher studierte er an der Humboldt-Universität zu Berlin und hat Abschlüsse in Musik- und Medienwissenschaften erworben. Als Redakteur liegen seine Schwerpunkte und Interessen hauptsächlich im Insolvenzrecht und allen Themen, die sich ums Geld drehen.

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