Schulden: Definition, wie sie entstehen und was Betroffene tun können

Das Wichtigste zu Schulden

  1. Unter dem Begriff Schulden versteht man in der Regel die Summe aller Verbindlichkeiten mit einer Rückzahlungspflicht
  2. Die SCHUFA ist ein Unternehmen, was alle Daten einer Person sammelt, die Auskunft über dessen Liquidät geben.
  3. Egal wie schlimm die Lage scheint, bei hoher Verschuldung sollte professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden.
  4. Die regelmäßige Verjährungsfrist beträgt drei Jahre, doch kann diese auch auf bis zu 30 Jahre verlängert werden.

Wie viele Menschen haben Schulden in Deutschland?

Nicht immer ist der einzige Ausweg die Privatinsolvenz bei hohen Schulden.

Nicht immer ist der einzige Ausweg die Privatinsolvenz bei hohen Schulden.

Laut Angaben des „Schuldneratlas Deutschland 2016“, der von der Wirtschaftsauskunftei Creditreform herausgegeben wurde, sind rund 4,17 Millionen volljährige Menschen in Deutschland dauerhaft überschuldet. Die Schulden liegen im Durchschnitt bei etwa 35.000 Euro pro Person.

Im Vergleich zum Vorjahr sind damit rund 1,9 Prozent mehr Menschen überschuldet. Besonders auffällig ist hierbei: Der Anstieg beruht hauptsächlich auf Fällen, in denen bereits Gerichte eingeschaltet wurden, um Zahlungen einzufordern. Im Fachjargon heißen diese „Fälle mit hoher Überschuldungsintensität“.

Doch wann wird eigentlich genau von einer Verschuldung gesprochen? Wie lässt sich eine Definition des Begriffs „Schulden“ geben? Welche Gründe führen zu einer Überschuldung und was können Betroffene unternehmen? Diese und weitere Fragen werden im folgenden Ratgeber beantwortet, damit Sie erst gar nicht in die Schuldenfalle rutschen oder schnell einen Weg aus den Schulden finden.

Was sind Schulden genau?

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass als Schulden sämtliche Verbindlichkeiten bezeichnet werden, die mit einer Verpflichtung zur Rückzahlung verbunden sind. Leihen Sie sich also von einem Freund 50 Euro aus, die Sie ihm in zwei Wochen zurückzahlen wollen, so haben Sie bei ihm Schulden. Auch wenn Sie einen Kredit aufnehmen, um damit etwa ein Auto oder eine Eigentumswohnung zu finanzieren, oder Sie Ihr Girokonto überziehen, handelt es sich um eine Verschuldung per Definition.

Verschiedene Organisationen bieten professionelle Hilfe zur Schuldenregulierung an.

Verschiedene Organisationen bieten professionelle Hilfe zur Schuldenregulierung an.

Können Betroffene Ihre Schulden fristgerecht zahlen und ist die finanzielle Belastung nicht zu groß, sind im Regelfall keine negativen Folgen zu erwarten. Eine zweitweise Verschuldung kann in gewissen Fällen sogar zu einer Verbesserung der Verhältnisse führen.

Betrachten wir etwa das Beispiel des Hausbaus. Nur die wenigsten Menschen haben genug Geld übrig, um die nötigen Kosten in Höhe von mehreren Hunderttausend Euro zu tragen. Erst durch einen Kredit ist der Bau eines Eigenheims in den meisten Fällen also erst möglich. Zwar müssen Betroffene erst Schulden machen, dafür besitzen sie danach ein Haus, in welchem sie mietfrei wohnen oder welches sie vermieten können.

Bei diesem Thema kommen immer Fragen nach der SCHUFA auf. Werden Schulden dort automatisch gespeichert? Bei der SCHUFA handelt es sich um ein Unternehmen, welches Daten zur Kreditwürdigkeit von Firmen und Privatpersonen sammelt. Schließen Sie eine Ratenzahlung ab, beantragen Sie eine Kreditkarte oder eröffnen ein Girokonto, wird dies der SCHUFA mitgeteilt. Und auch wenn Sie Schulden anhäufen, etwa weil Sie Forderungen nicht begleichen, speichert das Unternehmen diese Daten.

Probleme kommen jedoch auf, wenn sich aus der Verschuldung eine sogenannte Überschuldung entwickelt. Hierzu kommt es, wenn das Einkommen zu gering ist, um für sämtliche Verbindlichkeiten aufzukommen. Schulden bzw. Rechnungen und Raten sowie die Lebenshaltungskosten können nicht mehr bezahlt werden. Es kommt deshalb etwa zu Mietrückständen.

Immer mehr Mahnungen von den Gläubigern trudeln ein, in denen die Zahlung der ausstehenden Beträge gefordert wird. In einer solchen Situation denken viele Schuldner, dass ein neuer Kredit, mit dem sie die alten Schulden abbezahlen können, die Lösung des Problems ist. Zwar sind die alten Zahlungsverpflichtungen damit beglichen, dafür muss der neue Kredit für die Schulden mit meist höheren Zinsen finanziert werden. Ist die finanzielle Situation sowieso schon angespannt, ist dies kaum möglich. Der Betroffene rutscht noch tiefer in die Schuldenfalle.

Eine besondere Form der Schulden stellen die Steuerschulden dar. Hierbei handelt es sich um die Beträge, die an das Finanzamt abgeführt werden müssen, also etwa die Lohn- oder Gewerbesteuer. Vor allem Selbstständige müssen mit hohen Steuernachzahlungen rechnen. Werden die Steuerschulden nicht fristgerecht bezahlt, wird ein Säumniszuschlag erhoben, der sich Monat für Monat erhöht. Außerdem kann das Finanzamt bereits nach ein bis zwei Mahnungen Vollstreckungsmaßnahmen einleiten.

Was sind die Auslöser für private Schulden?

Ist nicht ausreichend Geld vorhanden und Schulden türmen sich auf, gehen viele Menschen davon aus, dass die Betroffenen dies durch einen unwirtschaftlichen Lebensstil selbst verursacht haben. Doch laut einer vom ZDF veröffentlichten Statistik hat eine Überschuldung zumeist Auslöser, auf welche die Betroffenen keinen Einfluss haben.

Die häufigsten Gründe für eine Überschuldung sind demnach:

  1. Arbeitslosigkeit (19 %)
  2. Erkrankung, Sucht, Unfall (15 %)
  3. Scheidung, Trennung, Tod des Partners bzw. der Partnerin (14 %)
  4. Unwirtschaftliche Haushaltsführung (11 %)
  5. Längerfristiges Niedrigkeinkommen (7 %)
  6. Sonstige Gründe (34 %)

Häufigster Grund für Schulden ist also eine eintretende Arbeitslosigkeit. Fällt das Einkommen weg, fällt es vielen Betroffenen schwer, alle anfallenden Kosten weiterhin zu tragen. Hierzu gehören nicht nur Miete und Nebenkosten, sondern auch die Handyrechnung sowie die Rate für den Autokredit oder andere Verbindlichkeiten.

Auch nach einer Scheidung sind Schulden häufig vorprogrammiert. Posten, die zuvor zu zweit getragen wurden, muss nun jeder einzeln bezahlen. Jeder Partner benötigt beispielsweise eine eigene Wohnung. Haben die ehemaligen Partner gemeinsame Kinder, kann der zu zahlende Unterhalt für zusätzliche Schulden sorgen.

Beachten Sie: Personen können Schulden auch erben. Denn nicht nur das Vermögen wird vererbt, sondern auch die Schulden, die ein Verstorbener hinterlässt. Ein Erbe haftet in einem solchen Fall mit seinem kompletten Privatvermögen. Sollte der Verstorbene Schulden hinterlassen haben, kann das Erbe ausgeschlagen werden. Dies muss innerhalb von sechs Wochen, nachdem der Betroffene von der Erbschaft erfahren hat, geschehen.

Immer mehr junge Menschen verschulden sich

Auch junge Leute sind nicht von Schulden verschont in Deutschland.

Auch junge Leute sind nicht von Schulden verschont in Deutschland.


Nicht nur Erwachsene sind betroffen: Schulden können für Jugendliche und junge Erwachsene ein gravierendes Problem darstellen. Laut dem Schuldneratlas hat sich die Anzahl der überschuldeten unter 20-Jährigen seit dem Jahr 2004 mehr als vervierfacht.

Während viele ältere Schuldner unverschuldet in der Schuldenfalle landen, sind junge Menschen oft selbst für ihre Lage verantwortlich, da sie sich Konsumgüter leisten, für die ihre finanziellen Mittel eigentlich nicht ausreichen. Aus diesem Grund wird von vielen Stellen gefordert, dass das Thema Schulden besser in den Schulen thematisiert wird, damit schon früh eine entsprechende Sensibilisierung gewährleistet werden kann.

Wenn junge Menschen Schulden machen und diese nicht abbezahlen können, führt dies schnell in die Schuldenfalle. Aus dieser können sie aus eigener Kraft häufig nur schwer herauskommen. Die Hilfe durch eine Schuldnerberatung kann eine große Unterstützung darstellen,

Was tun bei Schulden?

Ist der Schuldenberg erst einmal angewachsen, wissen viele Schuldner weder ein noch aus. Viele schämen sich und trauen sich deshalb nicht, nach der dringend benötigten Hilfe zu fragen. Häufig verschlimmert sich die Lage dann immer mehr. Die finanziellen Sorgen führen häufig zu zusätzlichen gesundheitlichen und sozialen Problemen. Viele Schuldner bekommen Angstzustände oder werden depressiv, weil ihnen die Lage ausweglos erscheint.

Auch wenn es schwer erscheinen mag: Betroffene sollten sich professionelle Hilfe suchen, wenn Ihnen die Schulden über den Kopf wachsen. Viele verschiedene Organisationen bieten in Deutschland eine Schuldnerberatung an. Handelt es sich um einen gemeinnützigen Träger, wird die Beratung kostenlos angeboten.

Schulden durch einen Kredit bezahlen: Wer in diese Versuchung gerät, landet schnell in einem Teufelskreis.

Schulden durch einen Kredit bezahlen: Wer in diese Versuchung gerät, landet schnell in einem Teufelskreis.

Im Rahmen der Schuldnerberatung wird in der Regel zunächst die Situation des Schuldners sondiert. Die Höhe der ausstehenden Forderungen wird ermittelt und mit dem Einkommen verglichen. Grundlegendes Ziel sollte es sein, dass der Betroffene keine weiteren Schulden mehr anhäuft. Die Berater verhandeln häufig mit den Gläubigern, um eine passende Lösung zur Abzahlung der Schulden zu finden. Zeigen sich die Gläubiger unnachgiebig, bleibt häufig nur ein Insolvenzverfahren als letzter Ausweg.

Auch finanzielle Hilfe bei Schulden ist in gewissen Fällen denkbar. Hartz-4-Empfänger können etwa in Notlagen ein Darlehen vom Jobcenter erhalten. Unter Umständen haben Schuldner einen Anspruch auf Wohngeld. Haben Betroffene Kinder, kann ein Anspruch auf Elterngeld, Kindergeld oder Unterhalt bestehen.

Denken Sie daran: Wenn Sie Schulden bei verschiedenen Gläubigern angehäuft haben, sollten Sie zunächst die grundlegenden Rechnungen zahlen. Hierzu gehören die Miete sowie Kosten für Strom und Wasser. Zahlen Sie Ihre Miete nicht, droht im schlimmsten Falle nämlich eine Zwangsräumung. Ist danach noch Geld übrig, können Sie andere Ratenzahlungen oder ähnliches bedienen. Die Schulden mit einem Kredit abzubezahlen bringt, wie bereits erwähnt, meist nur eine kurzfristige Erleichterung. Vergessen Sie nicht, dass für den neuen Kredit meist höhere Zinsen anfallen und der Teufelskreis weiter läuft.

Wann tritt bei Schulden die Verjährung ein?

Viele Schuldner haben vielleicht schon gehört, dass eine Verjährung von Schulden eintreten kann und hoffen deshalb darauf, dass die bestehenden Forderungen nach einer Weile einfach eingestellt werden. Doch ist dem wirklich so? Wie stellt sich die Gesetzeslage dar?

Grundsätzlich ist zu sagen, dass Schulden tatsächlich verjähren können. Gesetzliche Grundlage hierfür ist § 195 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB), laut welchem die regelmäßige Verjährungsfrist drei Jahre beträgt. Diese Frist beginnt jedoch erst am Ende des Jahres, in dem ein Anspruch entstanden ist.

In gewissen Fällen kann die für Schulden geltende Verjährungsfrist jedoch verlängert werden. Steuerschulden verjähren etwa erst nach fünf Jahren, Ansprüche, die mit Grundstücken in Zusammenhang stehen, nach 10 Jahren. Maximal kann die Frist 30 Jahre betragen.

Durch verschiedene Vorgänge kann die Verjährung neu starten oder gehemmt werden. Dies ist etwa der Fall, wenn

  • der Gläubiger Klage einreicht, um die Forderung durchzusetzen,
  • ein Beweissicherungsverfahren bei Gericht beantragt wurde,
  • ein Antrag auf einstweilige Verfügung gestellt wurde,
  • ein gerichtliches Mahnverfahren eingeleitet wurde und dem Schuldner ein Mahnbescheid zugestellt wurde oder
  • Gläubiger und Schuldner über die Forderung verhandeln.
Schulden einfach auszusitzen ist also nicht einfach möglich, da die Gläubiger in der Regel zügig ein offizielles Mahnverfahren anstreben. Schuldner sollten sich darüber im Klaren sein, dass im Zuge eines solchen Verfahrens Zinsen und Gebühren anfallen, welche die Schuldenlast noch erhöhen. Und selbst wenn die Verjährung tatsächlich eingetreten ist, stehen Schuldner noch nicht automatisch auf der sicheren Seite. Sie müssen die Verjährung zunächst schriftlich geltend machen.
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