Grundrente in Deutschland: Wer bekommt mehr Geld im Alter?

Von schuldnerberatung.de, letzte Aktualisierung am: 4. Februar 2021

Das Wichtigste zur Grundrente

Was ist die Grundrente?

Die Grundrente ist ein Zuschlag, den Menschen erhalten, die nur eine geringe Rente beziehen. Mehr zur Idee hinter der Grundrente erfahren Sie hier.

Wie bemisst sich die Höhe der Grundrente?

Nicht jeder bekommt den gleichen Betrag. Die Grundrente wird individuell berechnet. Entscheidende Faktoren sind unter anderem die Jahre der Grundrentenzeiten sowie, ob ein Rentner noch Einkommen erzielt. Sie liegt aber bei maximal 418 Euro (brutto). Mehr zur Berechnung haben wir hier für Sie zusammengefasst.

Welche Voraussetzungen müssen Sie für den Bezug der Grundrente erfüllen?

Es ist ein Nachweis von 33 bzw. 35 Jahren Grundrentenzeiten vonnöten. Zusätzlich müssen Sie während dieser Zeit mindestens 30 Prozent und maximal 80 Prozent des Durchschnittseinkommens verdient haben. Mehr zu den Voraussetzungen erfahren Sie hier.

Bedeutung der Grundrente: Eine einfache Definition

Die Grundrente soll gut 1,3 Millionen Menschen in Deutschland finanziell helfen.
Die Grundrente soll gut 1,3 Millionen Menschen in Deutschland finanziell helfen.

In Deutschland gibt es viele Menschen, die nur eine geringe Rente beziehen, obwohl sie lange Jahre in die Rentenversicherung eingezahlt haben. Altersarmut ist häufig die Folge und viele Betroffene häufen Schulden an, weil ihr Geld nicht ausreicht, um damit den Lebensunterhalt zu bestreiten. Nicht selten müssen Betroffene sogar die Privatinsolvenz anmelden.

Betroffene hätten häufig zwar die Möglichkeit, die sogenannte Grundsicherung im Alter – eine Form der Sozialleistung – zu beantragen, tun dies aber in vielen Fällen aus Unwissenheit oder Scham nicht.

Um den Betroffenen zu helfen, gibt es nun die sogenannte Grundrente – auch Respekt-Rente genannt. Einfach gesagt handelt es sich dabei um einen Zuschlag, der Menschen gezahlt wird, die nur eine kleine Rente erhalten, obwohl sie lange gearbeitet oder sich um die Pflege von Angehörigen und die Erziehung von Kindern gekümmert haben.

Die Grundrente galt vor allem als wichtiges Prestigeprojekt der SPD unter Arbeitsminister Hubertus Heil. Mit dem Koalitionspartner CDU/CSU wurde viel gestritten, unter anderem über die Finanzierung.

Über einen ersten Gesetzentwurf zur Grundrente beriet der Bundestag am 15. Mai 2020. Am 2. Juli wurde der Zuschuss zur Rente vom Bundestag beschlossen. Das für die Grundrente maßgebliche Gesetz wurde im August 2020 veröffentlicht und trat dann zum 01. Januar 2021 in Kraft.

Die Grundrente war und ist weiterhin nicht unumstritten. So erklärte etwa Prof. Dr. Franz Ruland, der ehemalige Chef der Deutschen Rentenversicherung, dass die Grundrente verfassungswidrig sei. Sie missachte unter anderem den Gleichheitssatz des Grundgesetzes, da sie dazu führe, dass Menschen eine vergleichbare Rente erhalten, obwohl sie nicht die gleichen Beiträge geleistet haben.

Voraussetzungen für den Bezug der Grundrente: Für wen gibt es mehr Geld?

Ist die Grundrente ungerecht? Darüber streiten sich die Experten.
Ist die Grundrente ungerecht? Darüber streiten sich die Experten.

Nicht jeder hat einen Anspruch darauf, den Zuschuss zur herkömmlichen Rente zu bekommen. Das sind die Voraussetzungen, auf die wir im Folgenden näher eingehen:

  1. 33 bzw. 35 Jahre Grundrentenzeiten
  2. Verdienst von mindestens 30 Prozent und maximal 80 Prozent des Durchschnittseinkommens während der Grundrentenzeiten

Die für den Erhalt der Grundrente wichtigste Voraussetzung besteht darin, dass Personen mindestens 33 bzw. 35 Jahre sogenannte Grundrentenzeiten erfüllt haben müssen. Die folgenden Zeiträume zählen dazu:

  • Wenn Sie als Angestellter oder Selbstständiger in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert waren.
  • Wenn Sie Angehörige gepflegt oder Kinder erzogen haben und dabei pflichtversichert waren.
  • Wenn Sie Leistungen bei Krankheit oder Rehabilitation erhalten haben.
  • Zusätzlich werden Berücksichtigungszeiten wegen Pflege und Kindererziehung als Grundrentenzeiten gewertet.
  • Auch sogenannte Ersatzzeiten, z. B. für Zeiten der Kriegsgefangenschaft, werden berücksichtigt.

Können Sie 35 Jahre Grundrentenzeiten nachweisen, dann erhalten Sie die volle Grundrente. Liegt die Beitragszeit bei 33 bis 34 Jahren, dann haben Sie zwar auch Anspruch auf eine Aufstockung der herkömmlichen Rente, müssen jedoch mit Abzügen rechnen.

Auch das vorherige Einkommen spielt bei der Grundrente eine Rolle

Eine weitere Voraussetzung für den Bezug der Grundrente: Sie dürfen in Ihrem Leben weder zu viel noch zu wenig verdient haben. Ihr Verdienst muss innerhalb der Grundrentenzeiten bei mindestens 30 Prozent des deutschlandweiten Durchschnittswertes gelegen haben. Personen, die hauptsächlich als Minijobber gearbeitet haben, fallen damit meist aus dem Kreis der Berechtigten heraus.

Mit der Grundrente sollen vor allem kleine Renten aufgebessert werden. Aus diesem Grund gibt es auch eine Obergrenze bezüglich des Einkommens. Sie haben nur dann einen Anspruch, wenn Sie maximal 80 Prozent des Durchschnittsverdienstes erhalten haben. Haben Sie über einen langen Zeitraum mehr verdient, erhalten Sie also keine Grundrente.

Haben Sie Anspruch auf die Grundrente, wenn Sie Erwerbsminderungsrente beziehen? Grundsätzlich ist dies möglich. Erwerbsminderungsrentner müssen jedoch alle oben genannten Voraussetzungen erfüllen, damit sie die Grundrente erhalten können. Und hier liegt meist das große Problem: Die Zeit zwischen Eintritt in die Erwerbsminderungsrente bis zum regulären Renteneintrittsalter wird als sogenannte Zurechnungszeit gewertet. Diese wird für die Grundrente nicht berücksichtigt. So wird es für viele Erwerbsminderungsrentner schwierig, die 35 bzw. 33 Jahre Grundrentenzeiten zu erreichen.

Gibt es die Grundrente ohne eine Bedürftigkeitsprüfung?

Zeiten der Kindererziehung werden bei der Grundrente berücksichtigt.
Zeiten der Kindererziehung werden bei der Grundrente berücksichtigt.

Im Gegensatz zur Grundsicherung im Alter oder Hartz-4-Leistungen wird bei der Grundrente nicht die Bedürftigkeit einer Person geprüft. Rentner müssen also keine Auskunft darüber geben, wie viel Vermögen sie besitzen oder ob ihnen eine Immobilie gehört.

Ganz ohne den Austausch von Informationen geht es aber trotzdem nicht, auch wenn keine Bedürftigkeitsprüfung bei der Grundrente vorgenommen wird.

Eine Sache wird nämlich doch geprüft: das Einkommen. Die dazu benötigten Daten werden vom Finanzamt an die Rentenversicherung übermittelt.

Muss ich einen Antrag stellen? – So bekommen Sie die Grundrente!

Die gute Nachricht lautet: Sie müssen keinen Antrag für den Bezug der Grundrente stellen. Die Rentenversicherung führt automatisch eine Prüfung durch, ob ein Anspruch besteht. Das gilt sowohl für Personen, die ab dem 01. Januar 2021 in Rente gehen, als auch für solche, die bereits seit einem früheren Zeitpunkt eine Rente beziehen.

Auch hinsichtlich der Auszahlung der Grundrente müssen Sie nicht tätig werden. Besteht ein Anspruch, erhalten Sie den Zuschlag automatisch. Beachten Sie jedoch Folgendes: In der ersten Zeit nach Einführung des Gesetzes kann es etwas dauern, bis Sie das erste Mal den Zuschlag zur Rente überwiesen bekommen.

Aufgrund des hohen Verwaltungsaufwandes geht die Rentenversicherung davon aus, dass Rentner je nach Einzelfall erst zwischen Juli 2021 und Ende 2022 ihren Grundrentenbescheid erhalten. Sie erhalten dann eine entsprechende Nachzahlung.

Experten schätzen, dass jährlich Kosten von 1,3 bis 1,6 Milliarden Euro für die Grundrente entstehen. Die Finanzierung der Rente sollte eigentlich durch die sogenannte Finanztransaktionssteuer – eine spezielle Steuer auf Finanzgeschäfte – erfolgen. Doch diese wurde in Deutschland bislang noch nicht eingeführt. Bis dahin wird die Grundrente aus dem Bundeshaushalt finanziert.

Grundrente: Wie hoch fällt sie aus?

Wer bekommt wie viel Grundrente? Die Höhe variiert je nach Einzelfall.
Wer bekommt wie viel Grundrente? Die Höhe variiert je nach Einzelfall.

Eine Frage beschäftigt viele Menschen natürlich besonders in puncto Grundrente: Wie viel Geld bekomme ich zusätzlich zu meiner herkömmlichen Rente? Diese Frage lässt sich jedoch nicht pauschal beantworten. Es ist nämlich nicht so, dass eine Rente bis zu einem festgelegten aufgestockt wird.

Vielmehr findet eine komplexe Berechnung statt, bei der mehrere Faktoren berücksichtigt werden. Grundsätzlich gilt zunächst, dass der Zuschlag im Rahmen der Grundrente maximal 418 Euro (brutto) im Monat beträgt. Die für die Ermittlung der Grundrente herangezogene Berechnung berücksichtigt unter anderem die Entgeltpunkte für die Grundrentenzeiten. Es wird wie folgt vorgegangen:

  • Prüfung: Hat die Person genügend Grundrentenzeiten gesammelt?
  • Prüfung: Hat die Person in diesen Zeiten mindestens 30 Prozent des Durchschnittseinkommens verdient?
  • Zusammenrechnung der Entgeltpunkte für die Grundrentenzeiten und Bildung eines Durchschnittswertes
  • Verdopplung des Durchschnittswertes (jedoch Begrenzung auf 0,8 Entgeltpunkte pro Jahr)
  • Abzug von 12,5 Prozent, das ergibt den Jahreswert
  • Schließlich werden die durchschnittlichen Entgeltpunkte mit den Versicherungsjahren und dem gültigen Rentenwert (West oder Ost) multipliziert

Zusätzlich erfolgt noch eine Einkommensprüfung. Der Grund: Wer als Rentner ein gutes Einkommen hat, beispielsweise durch Mieteinkünfte, verliert seinen Anspruch auf die Grundrente ganz oder muss mit Einbußen rechnen. Im Jahr 2021 wird ein Freibetrag in Höhe von 1.250 Euro im Monat für Alleinstehende sowie 1.950 Euro für Verheiratete angesetzt.

Übersteigt das Einkommen diese Werte, wird die Summe, welche den Freibetrag übersteigt, zu 60 Prozent angerechnet. Liegt das Einkommen bei Alleinstehenden bei mehr als 1.600 Euro bzw. bei Verheirateten bei mehr als 2.300 Euro, erfolgt eine Anrechnung des Betrages, welcher die genannte Grenze überschreitet, in Höhe von 100 Prozent.

Gibt es die Grundrente auch für Selbstständige? Ein Anspruch besteht nur dann, wenn der Selbstständige lange genug gesetzlich pflichtversichert war – etwa als Künstler oder Handwerker. Es müssen die gleichen Voraussetzungen erfüllt werden wie bei Arbeitnehmern auch. Achtung: Zahlt ein Selbstständiger freiwillig in die gesetzliche Rentenversicherung ein, wird dies nicht als Grundrentenzeit berücksichtigt!

Berechnung der Grundrente: Ein Beispiel zur Veranschaulichung

Eine alleinstehende Frau aus Dresden hat 35 Jahre lang in Teilzeit gearbeitet. Sie hat dabei etwa die Hälfte des durchschnittlichen jährlichen Einkommens aller Rentenversicherten verdient. Damit hat sie pro Jahr circa 0,5 Entgeltpunkte gesammelt. Sie erhält eine Altersrente in Höhe von 582 Euro monatlich.

Sie erhält einen Zuschlag von 0,3 Entgeltpunkten. Dieser wird um 12,5 Prozent gekürzt. Es ergeben sich damit 0,2625 Entgeltpunkte. Der aktuelle Rentenwert Ost liegt bei 33,23 Euro. Damit können wir die Höhe der Grundrente nun berechnen:

0,2625 (Entgeltpunkte) x 35 (Versicherungsjahre) x 33,23 Euro (Rentenwert Ost) = 305 Euro.

Erzielt die Frau kein zusätzliches Einkommen, erhält sie also neben ihrer herkömmlichen Altersrente in Höhe von 582 Euro einen Zuschlag von etwa 305 Euro. Insgesamt hat sie nun 969 Euro monatlich zur Verfügung.

Quellen und weiterführende Links

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Grundrente in Deutschland: Wer bekommt mehr Geld im Alter?
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