Lebensversicherung bei privater Insolvenz: Darf sie verwertet werden?

Von schuldnerberatung.de, letzte Aktualisierung am: 18. Februar 2021

Das Wichtigste zur Lebensversicherung bei der Privatinsolvenz

Darf ein Insolvenzverwalter Ihre Lebensversicherung kündigen?

In der Regel darf er dies. Der Rückkaufswert wird dann ausgezahlt und der Betrag fließt in die Insolvenzmasse.

Gibt es Optionen, eine Lebensversicherung trotz Privatinsolvenz zu behalten?

Unter gewissen Voraussetzungen kann die Versicherung insolvenzsicher gemacht werden. Das ist etwa der Fall, wenn im Vertrag festgelegt wird, dass sie erst nach dem 60. Lebensjahr ausgezahlt wird.

Gibt es noch eine weitere Möglichkeit?

Sie können auch einen Dritten als unwiderruflich bezugsberechtigte Person festlegen.

Darf der Insolvenzverwalter an die Lebensversicherung?

Privatinsolvenz, wenn eine Lebensversicherung besteht: Eine Auszahlung des Rückkaufswertes fließt in die Insolvenzmasse.
Privatinsolvenz, wenn eine Lebensversicherung besteht: Eine Auszahlung des Rückkaufswertes fließt in die Insolvenzmasse.

Die Privatinsolvenz hilft bei der Entschuldung von Personen. An deren Ende steht die Restschuldbefreiung, dank derer der Betroffene endlich wieder schuldenfrei ist. Bis dahin ist es jedoch ein langer Weg, der mit einigen Entbehrungen einhergeht.

Im Rahmen des Insolvenzverfahrens wird, vereinfacht gesprochen, das Vermögen des Schuldners – die sogenannte Insolvenzmasse – verwertet und der Erlös an die Gläubiger ausgezahlt. In diesem Zusammenhang fragen sich viele Schuldner, inwiefern eine laufende Lebensversicherung von der Insolvenz betroffen ist.

Grundsätzlich gehört eine private Lebensversicherung zum Vermögen des Schuldners und fällt damit in die Insolvenzmasse. Mit Beginn des Insolvenzverfahrens geht die Verfügungsgewalt gemäß § 80 Abs. 1 der Insolvenzordnung (InsO) auf den Insolvenzverwalter über:

Durch die Eröffnung des Insolvenzverfahrens geht das Recht des Schuldners, das zur Insolvenzmasse gehörende Vermögen zu verwalten und über es zu verfügen, auf den Insolvenzverwalter über.

Das bedeutet Folgendes: Der Insolvenzverwalter hat das Recht, bei Eröffnung der privaten Insolvenz die Lebensversicherung zu kündigen. Die Versicherung zahlt daraufhin den Rückkaufswert aus, welcher dann in die Insolvenzmasse fließt.

Können Sie die Lebensversicherung insolvenzsicher machen?

In gewissen Fällen kann die Lebensversicherung bei der Insolvenz geschützt werden.
In gewissen Fällen kann die Lebensversicherung bei der Insolvenz geschützt werden.

Viele Betroffene haben nun aber schon jahrelang in ihre Versicherung eingezahlt und wollten diese beispielsweise als Altersvorsorge nutzen. Sollte die Lebensversicherung bei der Insolvenz verwertet werden, wäre ihr mühsam Erspartes plötzlich weg.

Vor diesem Hintergrund fragen sich viele Schuldner, ob es die Möglichkeit gibt, die Lebensversicherung mit einem Insolvenzschutz zu versehen. Die gute Nachricht lautet: Es gibt durchaus Mittel und Wege, um dies zu erreichen.

Zunächst besteht die Option, dass die Lebensversicherung trotz Privatinsolvenz nicht gekündigt wird und Sie Ihre Ansprüche nicht verlieren, wenn ein Verwertungsausschluss vertraglich festgelegt wurde. Gesetzliche Grundlage ist hier § 851c der Zivilprozessordnung (ZPO). Dabei gilt, dass die Lebensversicherung in der Insolvenz nicht verwertet werden darf, wenn gewisse Pfändungsfreigrenzen unterschritten und die folgenden Voraussetzungen erfüllt werden:

  • Die Auszahlung der Versicherung erfolgt wie eine Rente, also bis ans Lebensende in regelmäßigen Abständen.
  • Die Versicherung wird erst nach der Vollendung des 60. Lebensjahres ausgezahlt. Ausnahmen bestehen, wenn die Berufsunfähigkeit eintritt.
  • Über Ansprüche, die aus dem Versicherungsvertrag erwachsen, darf nicht verfügt werden.
  • Eine Kapitalleistung, also eine Einmalzahlung, erfolgt nur im Todesfall.
  • Nur Hinterbliebene, keine anderen Personen, dürfen als Bezugsberechtigte eingesetzt werden.

Eine weitere Option, um die Verwertung der Lebensversicherung bei der Insolvenz zu vermeiden, besteht darin, einen Dritten als unwiderruflich bezugsberechtigte Person festzulegen. Das bedeutet, dass nur ebendiese Person im Leistungsfall Zahlungen der Versicherung erhält und nicht derjenige, der den Vertrag abgeschlossen hat. Damit gehören die Ansprüche nicht mehr zum Vermögen des Schuldners und können nicht mehr in die Insolvenzmasse fließen.

Wussten Sie schon? Die Riester-Rente darf im Zuge der Privatinsolvenz nicht verwertet werden. Das hat der Bundesgerichtshof im November 2017 festgelegt. Die Voraussetzungen dafür sind, dass die gezahlten Beiträge tatsächlich staatlich gefördert werden und dass der Höchstbeitrag nicht überstiegen wird.

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Ein Gedanke zu „Lebensversicherung bei privater Insolvenz: Darf sie verwertet werden?

  1. Elisa

    Hallo, mein stiefpapa ist vor zwei Wochen gestorben und er hatte eine privatinsolvenz. Er besaß auch eine lebensversicherung, die zur Beisetzung dienen sollte. Begünstigte bei Tod war meine Mama, diese ist aber auch schon seit 9 Jahren verstorben. Nun kann es sein die lebensversicherung geht verloren. Ich bin von seinem Bruder bevollmächtigt wurden die beerdigung zu organisieren. Und nun soll das Geld nicht mehr zur Verfügung stehen wegen der Insolvenz und ich weiß mir keinen Rat.

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