Kontoführungsgebühren der Banken – bloße Verwaltungskosten

Von schuldnerberatung.de, letzte Aktualisierung am: 13. September 2021

Das Wichtigste über Kontoführungsgebühren

Kontoführungsgebühren: Was ist das?

Kontoführungsgebühren sind laut Definition eine Art Grundgebühr, die eine Bank für das Bereitstellung und Verwalten eines Girokontos erhebt. Mehr erfahren Sie hier.

Wie viel Kontoführungsgebühren erheben die Banken normalerweise?

Die Höhe dieser Gebühren variieren von Bank zu Bank. Sie liegen gewöhnlich zwischen fünf bis zehn Euro pro Monat. Das macht immerhin 60 bis 120 Euro im Jahr. Es lohnt sich deshalb, die Angebote verschiedener Banken miteinander zu vergleichen und gegebenenfalls das Geldinstitut zu wechseln.

Stimmt es, dass in der Vergangenheit von den Banken erhobene Kontoführungsgebühren rechtswidrig sind?

Ja. Viele Banken verwendeten bisher AGB-Klauseln, auf deren Grundlage sie die Vertragsbedingungen – insbesondere Kontogebühren – ohne ausdrückliche Zustimmung ihrer Kunden änderten. Diese Praxis erklärte der BGH für unzulässig – mit der Folge, dass Verbraucher zu Unrecht erhobene Entgelte zurückfordern dürfen. Mehr zu diesem Urteil lesen Sie ab diesem Abschnitt.

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Kontoführungsgebühren fürs Girokonto einfach erklärt

Kontoführungsgebühren: Welche Bank ist kostenlos?
Kontoführungsgebühren: Welche Bank ist kostenlos?

Heutzutage gibt es kaum noch ein gebührenfreies bzw. kostenfreies Girokonto. Fast jede Bank erhebt monatlich oder quartalsweise Kontoführungsgebühren für die Verwaltung des Kontos, ohne dass der Bankkunde dafür weitere Leistungen erhält. Dabei legt jedes Geldinstitut seine Gebühren individuell fest, sodass deren Höhe auch regional, von Filiale zu Filiale variieren kann.

Es gibt durchaus auch Banken, die keine Kontoführungsgebühren erheben. Das heißt aber nicht, dass das Girokonto dauerhaft kostenfrei ist. Und manchmal müssen Bankkunden auch bestimmte Bedingungen erfüllen, um ihr Konto unentgeltlich nutzen zu dürfen. Üblich sind beispielsweise folgende Konditionen:

  • Manche Geldinstitute knüpfen die dauerhaft kostenfreie Nutzung eines Kontos daran, dass jeden Monat ein bestimmter Mindestbetrag auf dem Konto des Kunden eingeht. Anderenfalls berechnet die Bank doch Gebühren.
  • Das Girokonto ist nur bis zu einem bestimmten Alter des Kunden oder bis zum Abschluss des Studiums kostenlos.
  • Das Konto ist nur im ersten Jahr ab Kontoeröffnung kostenlos. Danach fallen Gebühren an.
  • Es fallen zwar keine Kontoführungsgebühren an. Dafür muss der Kontoinhaber Gebühren für Überweisungen, das Abheben von Bargeld oder das Bezahlen in einer anderen Währung bezahlen.
  • Die Bank verlangt nur vergleichsweise geringe Gebühren, berechnet dafür aber zum Beispiel Jahresgebühren für die EC-Karte.

Tipp! Setzen Sie die Gebühren steuerlich als Werbungskosten ab. Die Finanzämter erkennen für Kontoführungsgebühren eine Pauschale von 16 Euro pro Jahr an, ohne dass Sie hierfür Nachweise erbringen müssen. Diese Möglichkeit besteht für Arbeitnehmer und Rentner, während Selbstständige, Freiberufler und Unternehmen diese Kosten als Betriebsausgabe geltend machen können.

Und bei welchen Banken zahlt man keine Kontoführungsgebühren? Vor allem Online- und Direktbanken ohne eigene Filialen verzichten oft auf diese Gebühren.

Viele Kontoführungsgebühren laut Urteil des BGH unzulässig

Kontoführungsgebühren: Einen Pauschbetrag von 16 Euro können Sie als Werbungskosten von der Steuer absetzen.
Kontoführungsgebühren: Einen Pauschbetrag von 16 Euro können Sie als Werbungskosten von der Steuer absetzen.

Bis zum Frühjahr 2021 war es eine gängige Praxis, dass Banken ihre Gebühren erhöhten, anschließend ihre Kunden darüber informierten und es als Zustimmung werteten, wenn diese nicht aktiv widersprachen. Dieses Fingieren des Einverständnisses verankerten die Geldinstitute in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen (ABG).

Die entsprechenden AGB-Klauseln beinhalten in etwa folgende Regelungen:

  • Das Geldinstitut informiert seine Kunden in Textform über Änderungen der Allgemeinen Geschäftsbedingungen oder der Vertragsbedingungen, z. B. über die Erhöhung der Kontogebühren – spätestens zwei Monate, bevor diese wirksam werden.
  • Widerspricht der Kunde diesen Änderungen nicht bis zum Zeitpunkt des Wirksamwerdens, so gilt seine Zustimmung als erteilt. Die Bank weist die Kunden vorab darauf hin, dass seine Zustimmung derart fingiert wird.
  • Der Kunde hat ein Sonderkündigungsrecht bei Änderungen und Anpassungen.

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat diese Praxis zur Erhöhung der Kontoführungsgebühren nun für unzulässig erklärt (Urteil vom 27.05.2021, Az. XI ZR 26/20), weil sie Verbraucher unangemessen benachteiligen, denn:

  • Die besagten Klauseln sind so weit formuliert, dass Verbraucher kaum noch überblicken können, welche Änderungen die Bank durchführen darf.
  • Außerdem nimmt sich die Bank mit derartigen Klauseln das Recht heraus, den gesamten Vertrag und die darin vereinbarten Hauptleistungen abzuändern, ohne dass der Kunde dem ausdrücklich zustimmen muss.

Anders formuliert: Das Schweigen des Kontoinhabers darf nicht einfach so für jede x-beliebige Änderung und Vertragsanpassung als Zustimmung gewertet werden. Banken dürfen wesentliche Vertragsinhalte nicht einfach einseitig ändern – dazu bedarf es immer einer entsprechenden Einigung, also dem Angebot der Bank und der aktiven Zustimmung ihres Kunden.

Bedeutung des Urteils für Verbraucher

Laut BGH ist eine Änderung der  Kontoführungsgebühren ohne Zustimmung des Kunden unzulässig.
Laut BGH ist eine Änderung der Kontoführungsgebühren ohne Zustimmung des Kunden unzulässig.

Das Urteil betrifft zwar konkret nur die Postbank. Diese muss ihre Allgemeinen Geschäftsbedingungen über Preisänderungen und Vertragsanpassungen so gestalten, dass Verbraucher sie auch verstehen und nachvollziehen können.

Allerdings wirkt es sich auf die bisherige Praxis aller Banken aus. So können auch Kunden bei anderen Banken unter Umständen zu Unrecht erhöhte Kontoführungsgebühren zurückfordern. Ein solcher Rückerstattungsanspruch kommt dann in Betracht, wenn ein Geldinstitut ähnliche Klauseln in seinen AGB verwendet und auf dieser Grundlage die Kontogebühren ohne ausdrückliche Zustimmung des Kunden erhöht hat.

Achtung! Die Erstattungsansprüche verjähren nach einem gewissen Zeitraum. Welche Verjährungsfrist in diesem Fall gilt, ist aktuell noch unklar (Stand Juni 2021). Aufgrund der regulären Verjährungsfrist von drei Jahren können Verbraucher bis zum 31.12.2021 unzulässig erhöhte Gebühren bis einschließlich 2018 geltend machen.

Möglichweise greift sogar eine zehnjährige Verjährungsfrist für einen etwaigen Anspruch wegen ungerechtfertigter Bereicherung der Bank. Diese Frage ist allerdings noch nicht abschließend geklärt.

Checkliste zur Rückforderung unzulässiger Kontoführungsgebühren

Kontoführungsgebühren: Wann diese fällig werden, legt jede Bank selbst fest.
Kontoführungsgebühren: Wann diese fällig werden, legt jede Bank selbst fest.
  • Prüfen Sie, ob Ihre Bank ähnliche AGB verwendet (hat) wie die Postbank. Den Inhalt dieser Klauseln können Sie hier noch einmal nachlesen.
  • Wenn ja: Prüfen Sie, ob die Erhöhung der Kontogebühren auf der Grundlage dieser AGB-Klausel erfolgte. Gegen Sie den Schriftverkehr mit Ihrer Bank durch oder schauen Sie im Postfach oder Archiv Ihres Online-Banking-Accounts nach.
  • Fragen Sie gegebenenfalls bei Ihrer Bank nach einer Entgeltaufstellung für den besagten Zeitraum.
  • Ermitteln Sie, wie viel Gebühren die Bank zu Unrecht erhoben hat.
  • Fordern Sie die zu Unrecht erhobenen Kontoführungsgebühren schriftlich von Ihrer Bank zurück. Verweisen Sie dabei auf das oben benannte Urteil des BGH.
  • Lassen Sie sich im Streit- oder Zweifelsfall auf jeden Fall juristisch beraten.
  • Sollte sich die Bank weigern, Ihrer Rückforderung nachzukommen, können Sie sich an den Ombudsmann bzw. die Schlichtungsstelle der Bank wenden. Leider führt jedoch auch das Schlichtungsangebot nicht immer zum Erfolg.

Einige Banken haben auf Rückforderungen ihrer Kunden mit der Kündigung des Girokontos reagiert. Die Geldinstitute dürfen ein Girokonto ohne Angabe von Gründen kündigen, jedoch nur unter Einhaltung der vertraglich vereinbarten Kündigungsfristen. Sparkassen hingegen dürfen normalerweise nur unter Angabe eines sachlichen Grundes kündigen. Das Verbraucher ihre Rechte wahrnehmen und unrechtmäßige Gebühren zurückverlangen, dürfte wohl nicht dazu gehören.

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