SchuldnerAtlas 2020 – Rückgang der Überschuldung und die Ruhe vor dem Sturm

News vom 11. November 2020, von schuldnerberatung.de

Der SchuldnerAtlas 2020 verzeichnet einen leichten Rückgang bei der privaten Überschuldung, jedoch nur für den Moment.
Der SchuldnerAtlas 2020 verzeichnet einen leichten Rückgang bei der privaten Überschuldung, jedoch nur für den Moment.

Obwohl die Coronakrise die Wirtschaft und die Finanzkraft vieler Verbraucher schwächt, ist die Überschuldung von Privatpersonen leicht gesunken. Das geht aus dem SchuldnerAtlas 2020 hervor, einer Studie der Wirtschaftsauskunftei Creditreform. Die Zahl der überschuldeten Verbraucher ist demnach um 69.000 auf 6,85 Millionen gesunken. Ist das ein Zeichen für Entspannung oder doch eher die Ruhe vor dem Sturm? Nach dem SchuldnerAtlas für 2020 deutet der Rückgang der Überschuldung einerseits darauf hin, dass die staatlichen Hilfsmaßnahmen gewirkt hätten, und andererseits, dass sich die Überschuldungsfälle zeitlich versetzt entwickeln.

Staatliche Hilfsmaßnahmen zur Abschwächung der Coronakrise verhindern das Schlimmste

Ein Grund für die derzeit positive Entwicklung sind die staatlichen Maßnahmen und Finanzspritzen, wie z. B. die „Corona-Soforthilfe“. Sie verhinderten anscheinend die größte wirtschaftliche Not und sorgten trotz Krise für eine Stabilität der Einkommensverhältnisse in privaten Haushalten. Im SchuldnerAtlas 2020 heißt es hierzu:

„Die staatlichen Hilfsmaßnahmen und -programme haben dabei die schlimmsten sozialen Auswirkungen abgemildert. Die DZ-Bank rechnete beispielsweise vor, dass die privaten Haushalte während der ersten Corona-Welle nur unwesentlich weniger Geld zur Verfügung hatten als zuvor.“

[Quelle: SchuldnerAtlas Deutschland 2020, S. 29]

Bisher hatte Deutschland diesbezüglich „Glück im Unglück“. Es ist jedoch davon auszugehen, dass dieser positive Trend nicht anhalten wird. Im Gegenteil: Nach Einschätzung der Creditreform wird sich die wirtschaftliche Situation für Verbraucher in den nächsten beiden Jahren verschlechtern. Die Überschuldung privater Haushalte steigt dabei nicht sprunghaft, sondern zeitlich verzögert.

Kein Ende der wirtschaftlichen Krise absehbar

Die eher negative Prognose zur zukünftigen Schuldenentwicklung wird auch durch repräsentative Verbraucherumfragen belegt, welche die Creditreform für den SchuldnerAtlas 2020 durchgeführt hat.

Die zunehmende Sparbereitschaft der Verbraucher verschärft laut SchuldnerAtlas 2020 die Corona-bedingte Wirtschaftskrise.
Die zunehmende Sparbereitschaft der Verbraucher verschärft laut SchuldnerAtlas 2020 die Corona-bedingte Wirtschaftskrise.

Danach wirkt sich die Coronakrise wie folgt auf die wirtschaftliche Lage von Verbrauchern aus:

  • Mitte Oktober kämpften bereits 35 Prozent der deutschen Haushalte mit Einkommenseinbußen, die auf die Corona-Pandemie zurückzuführen sind.
  • Ursache für den Einbruch des Einkommens sind Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit.
  • Einkommensschwache Menschen leiden dabei stärker unter der derzeitigen Krise. Sie sind eher dazu gezwungen, Kreditrückzahlungen zu stunden und ihre Ausgaben zu reduzieren. Und sie leiden stärker unter finanziellem Stress.
  • Die Mehrheit der Verbraucher will laut SchuldnerAtlas 2020 aufgrund der aktuellen wirtschaftlichen Lage weniger Geld ausgeben und ihre Ausgaben reduzieren.
  • Jeder Vierte fürchtet Zahlungsschwierigkeiten.

Die Creditreform wirft in ihrem SchuldnerAtlas 2020 einen eher düsteren Blick auf die Zukunft und prognostiziert:

„Ein Ende der gesundheitspolitischen und ökonomischen Krisenlage ist angesichts der derzeit anrollenden zweiten Infektionswelle nicht absehbar – die unmittelbaren und mittelbaren Folgewirkungen für Gesellschaft, Wirtschaft und Verbraucher werden gravierender sein als die der Finanz- und Wirtschaftskrise der Jahre 2008 / 2009.“

[Quelle: SchuldnerAtlas Deutschland 2020, S. 10]

Verbraucher reagieren mit weniger Konsum und mehr Sparbereitschaft

Die meisten Verbraucher konnten ein tiefes Abrutschen in die Schuldenfalle offenbar durch einen eher zurückhaltenden Konsum und besondere Vorsicht bei den Ausgaben vermeiden.

Einerseits konnten sie ihr Geld während des Lockdowns gar nicht ausgeben. Restaurants und Geschäfte waren geschlossen, Urlaubsreisen fanden nicht statt. Andererseits sparen viele Menschen, weil sie eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage befürchten, so das Ergebnis des SchuldnerAtlas 2020.

Dieses zurückhaltende Konsumverhalten und die höhere Sparbereitschaft bilden einen guten Schutz gegen Überschuldung. Allerdings sind nur „Gutverdiener“ in der Lage zu sparen. Geringverdiener bzw. die unteren Sozialschichten können nicht sparen und leben ohnehin schon „von der Hand in den Mund“. Sie drohen sich zu verschulden oder gar zu überschulden.

Mehr Informationen rund um finanzielle Schwierigkeit aufgrund der Coronakrise

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Quellen und weiterführende Links

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