Schulden erben – Muss das sein oder ist eine Ablehnung möglich?

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Das Wichtigste zu Schulden erben

  1. Hinterbliebene erben entweder alles oder nichts. Es ist nicht möglich, die Schulden auszuschlagen und das Vermögen des Erblassers zu behalten.
  2. Im Falle einer Überschuldung des Verstorbenen ist es sinnvoller, die Erbschaft auszuschlagen. Niemand wird gezwungen, Schulden zu erben.
  3. Überprüfen Sie so schnell wie möglich die Vermögensverhältnisse des Erblassers, gegebenenfalls mit Unterstützung eines Anwalts.

Schulden des Verstorbenen erben: Konsequenzen für die Hinterbliebenen

Nicht jeder Verstorbene hinterlässt ein Vermögen. Hinterbliebene können auch Schulden erben.

Nicht jeder Verstorbene hinterlässt ein Vermögen. Hinterbliebene können auch Schulden erben.

Laut einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) werde es für den eigenen persönlichen Wohlstand immer wichtiger, ob man ein Vermögen erbe. Zwischen 2012 und 2027 belaufe sich das Erbvolumen der Deutschen auf geschätzte 400 Milliarden Euro jährlich, berechnete die DIW.

Tatsache ist aber auch, dass eben nicht jeder Deutsche ein Vermögen erbt. Oft hinterlassen die Verstorbenen als Erbe nur ihre Schulden. Für die Hinterbliebenen stellt sich dann die Frage, wie sie sich verhalten sollen. Was tun, wenn die Nachkommen nur Schulden erben können?

Was sagt das Gesetz über Erbschulden?

„Erbschulden“ ist ein eher umgangssprachlicher Begriff, der in der Rechtssprache nicht verwendet wird. Juristen sprechen von Nachlassverbindlichkeiten, wenn sie die Schulden des Erblassers, also des Verstorbenen meinen. Hierzu gehören

  • die Erblasserschulden, also die Schulden, die der Verstorbene zu Lebzeiten gemacht hat und die zu seinem Tode noch bestehen sowie
  • die Erbfallschulden, die aus Anlass des Todes entstehen, wie z. B. die Beerdigungskosten

Was sagt das Erbrecht zu diesen Schulden? Zum einen besteht keine Pflicht, das Erbe anzutreten. Jeder Erbberechtigte kann die Hinterlassenschaften auch ablehnen. Auf diese Weise werden die Erben geschützt, und zwar davor, dass sie mit ihrem gesamten Privatvermögen für Schulden des Verstorbenen haften.

Denn das ist die zweite Aussage des Erbrechts: Wer erbt, erbt alles, auch die Schulden. Die Erben haften für die Schulden des Erblassers. Das kann für sie den finanziellen Ruin bedeuten. Sind die geerbten Schulden zu hoch, enden sie mitunter selbst in der Schuldenfalle und müssen Privatinsolvenz anmelden.

Muss man Schulden erben? Nein! – Möglichkeiten der Hinterbliebenen

Die Hinterbliebenen können die Erbschulden auch ablehnen, indem sie das Erbe ausschlagen.

Die Hinterbliebenen können die Erbschulden auch ablehnen, indem sie das Erbe ausschlagen.

Hat ein Verstorbener nur oder überwiegend Schulden zu vererben, so stehen den Hinterbliebenen verschiedene Möglichkeiten offen, z. B.:

  • Sie können das Erbe ausschlagen.
  • Sie können ihre Haftung für die Erbschulden beschränken, entweder indem eine Nachlassverwaltung angeordnet oder ein Nachlassinsolvenzverfahren eröffnet wird.
  • Der Erbe kann aufgrund der Dürftigkeitseinrede nach § 1990 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) die Befriedigung der Nachlassgläubiger verweigern.
  • Selbstverständlich können sich die Hinterbliebenen auch dafür entscheiden, den Nachlass samt Schulden zu erben.
Vor der Entscheidung kann es sinnvoll sein, sich von einem Anwalt für Erbrecht beraten zu lassen. Dieser kann Ihnen auch helfen, das Haftungsrisiko bei einem Erbe richtig einzuschätzen.
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Erbe ausschlagen aufgrund der Schulden des Verstorbenen

Nachkommen und Angehörige, die überlegen, ob sie die Erbschulden ablehnen, also die Erbschaft ausschlagen sollen, sollten sich im Vorfeld genau über die Bedingungen und Konsequenzen informieren. Diese Entscheidung sollte keinesfalls übers Knie gebrochen, sondern genau durchdacht werden. Manchmal kann es doch sinnvoll sein, die Schulden zu erben.

Erbschulden ausschlagen – Pflichtteil entfällt!

Sie möchten das Erbe ausschlagen wegen der Schulden des Verstorbenen? Beachten Sie die 6-Wochen-Frist.

Sie möchten das Erbe ausschlagen wegen der Schulden des Verstorbenen? Beachten Sie die 6-Wochen-Frist.

Im Erbrecht gilt die Faustregel: Alles oder nichts! Wer das Erbe annimmt, erhält alles: das gesamte Vermögen des Verstorbenen und dessen Schulden. Wer aber die Erbschaft ausschlägt, bekommt gar nichts, nicht einmal den Pflichtanteil und auch keine Gegenstände aus dem Nachlass. Es ist nicht möglich, die Schulden des Erblassers auszuschlagen, aber dessen Vermögen zu behalten.

Laut § 1943 BGB muss das Erbe ausdrücklich ausgeschlagen werden, sonst gilt es als angenommen. Die Erbberechtigten haben sechs Wochen Zeit, um amtlich auf das Erbe zu verzichten (§ 1942 Abs. 2 BGB). Erklären die Hinterbliebenen in dieser Zeit „nicht Gegenteiliges“, so gelten sie nach dem Gesetz als Erben. Dann haben sie automatisch auch die Schulden geerbt und haften dafür.

Deshalb sollten die Erbberechtigten nach dem Tod des Erblassers schnell handeln und keine Zeit verstreichen lassen. Anderenfalls riskieren sie es, die Schulden unfreiwillig zu erben.

Zur Erbausschlagung gibt es einige weitere Dinge zu beachten:

  • Erst wenn der Erblasser verstorben ist und der Erbberechtigte darüber informiert wurde, ist eine Ausschlagung möglich.
  • Der Erbe muss von seiner Erbstellung wissen. In der Regel wird davon ausgegangen, dass er das Verwandtschaftsverhältnis und damit die gesetzliche Erbfolge kennt.
  • Bei der gesetzlichen Erbfolge erhalten die Hinterbliebenen keine amtliche Benachrichtigung darüber, dass sie Erbe geworden sind.
  • Eine Benachrichtigung erfolgt nur, wenn es eine letztwillige Verfügung, also ein Testament oder einen Erbvertrag gibt.
  • Existiert eine solche Verfügung, so können Erbberechtigte ab deren Eröffnung das Erbe ausschlagen.
Wer erbt die Schulden, wenn ein Erbberechtigter sein Erbe ausschlägt? In diesem Fall erbt der Nächste in der Erbfolge. Lehnt auch dieser das Erbe ab, folgt der nächste in der Erbfolge und so weiter. Wenn alle Erbberechtigten die Erbschaft ausgeschlagen haben, erbt der Staat.

Wann ist eine Erbausschlagung sinnvoller, als die Schulden zu erben?

Um herauszufinden, ob die Erbschulden überwiegen, verschaffen Sie sich einen genauen Überblick über das Vermögen des Erblassers.

Um herauszufinden, ob die Erbschulden überwiegen, verschaffen Sie sich einen genauen Überblick über das Vermögen des Erblassers.

Der Hauptgrund, sich gegen das Erbe zu entscheiden, sind in der Regel die Schulden. Wenn der Nachlass überschuldet ist, macht es Sinn, die Erbschaft samt Schulden auszuschlagen.

Verschaffen Sie sich zunächst einen genauen Überblick über die finanzielle Situation des Verstorbenen. Um herauszufinden, ob es dennoch Sinn macht, die Schulden zu erben, können Sie folgendermaßen vorgehen:

  • Prüfung sämtlicher Konten
  • Prüfung aller Unterlagen und Verträge des Verstorbenen
  • Erkundigungen bei Ämtern
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Checkliste zur Prüfung der Vermögensverhältnisse des Erblassers
Vermögen („Guthaben“)Nachlassverbindlichkeiten & Erbfallschulden („Schulden“)
BankguthabenKredite
WertpapiereUnterhaltsrückstände
Wertgegenständesonstige Schulden des Verstorbenen
Grundstücke und andere ImmobilienBestattungskosten
offene Ansprüche des ErblassersPflichtteilsansprüche
Kosten der Testamentseröffnung
Kosten einer Nachlassverwaltung

Sollte sich bei dieser Überprüfung herausstellen, dass die Verbindlichkeiten das Vermögen überwiegen, empfiehlt es sich, das Erbe auszuschlagen und die Schulden nicht zu erben.

Schwierig wird die Prüfung, wenn der Nachlass groß und unübersichtlich ist. Sie erhalten zur Größe vom Erbe und möglichen Schulden keine amtliche Auskunft. Denn der Staat hilft nicht bei der Aufklärung der Vermögensverhältnisse. Weder das Nachlassgericht noch der Testamentsregister sind hierfür zuständig. Lassen Sie sich daher gegebenenfalls von einem Fachanwalt beraten und helfen.

Hinterbliebene, die Erkundigungen über das Vermögen einholen wollen, werden unter Umständen gebeten, einen Erbschein vorzulegen. Sobald der Betreffende diesen jedoch beantragt, gilt die Erbschaft als angenommen. Denn deren Annahme ist Voraussetzung für die Erteilung des Erbscheins. Alternativ genügt oft die Vorlage von Sterbeurkunde und Stammbuch.

Sanierungsbedürftiges Haus statt Schulden erben – Vorsicht Schuldenfalle

Gehört ein sanierungsbedürftiges Haus zum Nachlass, sind dies zwar keine Erbschulden. Trotzdem kann es hohe Kosten verursachen.

Gehört ein sanierungsbedürftiges Haus zum Nachlass, sind dies zwar keine Erbschulden. Trotzdem kann es hohe Kosten verursachen.

Eine Erbausschlagung kann auch dann sinnvoll sein, wenn sich im Nachlass ein altes Haus befindet, das lange nicht gepflegt und saniert wurde. Vielleicht braucht es ein neues Dach oder moderne Elektrik. Oder es müssen Altlasten entsorgt werden.

Eine solche Immobilie kann eine Menge Geld verschlingen und dadurch mehr Kosten als Gewinn verursachen. Nicht jeder Erbe kann sich diese Ausgaben leisten, sodass ihm nur die Möglichkeit bleibt, das Haus zu verkaufen. Einen hohen Erlös kann er in aller Regel jedoch nicht erwarten.

Sonderfall: Steuerschulden erben

Auch bei Steuerschulden gilt die Faustformel „Alles oder nichts“. Folglich können Hinterbliebene auch die Schulden beim Finanzamt erben. Das ist in § 45 Abs. 1 Abgabenordnung (AO) geregelt.

Eine Ausnahme gilt nur für Zwangsgelder, die von der Finanzverwaltung gegen den Verstorbenen verhängt wurden. Diese werden nicht vererbt.
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10 thoughts on “Schulden erben – Muss das sein oder ist eine Ablehnung möglich?

  1. Marcel M.

    Guten Tag M. mein Name also wenn ich das Erbe ausschlagen Erbe ich keine Schulden und wie sieht es aus mit der Beerdigung 20 Jahre kein Kontakt Es geht um mein Vater

    Antworten
    1. schuldnerberatung.de

      Hallo Marcel,

      schlägt nur einer von mehreren Erbberechtigten das Erbe aus, tragen die anderen Erben die Beerdigungskosten. Schlagen alle das Erbe aus oder gibt es nur einen Erben, kann es sein, dass die Betroffenen die Kosten tragen müssen, wenn Sie dem Erblasser zu Unterhalt verpflichtet gewesen wären bzw. waren. Sind keine zahlungsfähigen Verwandten vorhanden, muss die Gemeinde die Kosten tragen.

      Ihr Team von schuldnerberatung.de

      Antworten
  2. Claudia

    Ein Inkasso Büro möchte von mir Erbschulden von 1998 eintreiben. Eine titulierte Forderung gibt es wohl, allerdings wusste ich nichts von Schulden. Ich hab gar nichts geerbt, weil ich damals 20 Jahren alt war und alles über einen Elternteil lief. Dieser lebt heute noch. War bisher immer und überall gemeldet und bei mir hat noe jemand darüber was zukommen lassen oder gefordert. Ich kann den Betrag nicht zahlen. Kontakt zu Familie besteht seit Jahren nicht mehr. Was tun?

    Antworten
    1. schuldnerberatung.de

      Hallo Claudia,

      in Fällen dieser Art empfiehlt sich die Beratung durch einen Anwalt. Dieser kann die Unterlagen prüfen und Sie zum weiteren Vorgehen beraten.

      Ihr Team von schuldnerberatung.de

      Antworten
  3. Jeanette

    Hallo,

    ich habe erfahren, dass mein biologischer Vater verstorben ist zu dem ich mehrere Jahre keinen Kontakt mehr hatte. Ich weiß nicht über seine finanzielle Lage Bescheid. Soll ich besser das Erbe „auf Verdacht“ ausschlagen oder wie gehe ich da am Besten vor?

    Vielen dank!

    Antworten
    1. schuldnerberatung.de

      Hallo Jeanette,

      aus der Ferne lässt sich dies nur schwer beurteilen. Rechtliche Beratung erhalten Sie bei einem Anwalt. Grundsätzlich gilt aber, dass Sie sechs Wochen Zeit haben, um das Erbe auszuschlagen. Diese Zeit können Sie nutzen, um den Nachlass zu sichten.

      Ihr Team von schuldnerberatung.de

      Antworten
  4. N.

    Mich würde interessieren, was passiert, wenn Schulden des Erblassers auftauchen, nachdem geerbt wurde. Ist es in dem Fall möglich ein Nachlass Insolvenzverfahren nachträglich zu machen? Eigentlich wären die Schulden doch schon ohne eigenes Wissen im eigenen Besitz?

    Antworten
    1. schuldnerberatung.de

      Hallo N.,

      grundsätzlich gilt, dass der betroffene Erbe eine Nachlassinsolvenz beantragen kann, wenn er Kenntnis von der Überschuldung erlangt.

      Ihr Team von schuldnerberatung.de

      Antworten

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