Nachlassinsolvenzverfahren: Was Erben wissen sollten!

Das Wichtigste zum Nachlassinsolvenzverfahren

  1. Durch das Nachlassinsolvenzverfahren können Erben ihr privates Vermögen schützen.
  2. Eingeleitet wird das Verfahren durch einen Antrag beim zuständigen Insolvenzgericht.
  3. Das Nachlassinsolvenzverfahren geht mit hohen Kosten – insbesondere für die Tätigkeit des Insolvenzverwalters – einher.

Was ist ein Nachlassinsolvenzverfahren?

Wie lange dauert ein Nachlassinsolvenzverfahren?

Wie lange dauert ein Nachlassinsolvenzverfahren?

Mit dem Tod eines Erblassers geht sein Vermögen auf seine Erben, welche entweder aus der gesetzlichen Erbfolge oder einem Testament bzw. Erbvertrag hervorgehen, über. Dabei muss der Nachlass nicht immer einen finanziellen Segen darstellen, denn nicht selten beinhaltet der Nachlass auch Schulden und sonstige finanzielle Verpflichtungen.

Damit der Erbe für die Schulden des Verstorbenen nicht mit seinem eigenen Vermögen haftet muss und dadurch die Gefahr einer Überschuldung droht, besteht die Möglichkeit, ein Nachlassinsolvenzverfahren zu beantragen. Denn Ziel der Nachlassinsolvenz ist die Haftungsbeschränkung auf den Nachlass und somit die Sicherung des Privatvermögens.

In Gang gesetzt wird ein Nachlassinsolvenzverfahren durch einen Antrag beim zuständigen Insolvenzgericht. Dabei handelt es sich im der Regel um das Amtsgericht, welches für den Bezirk, in welchem der Verstorbene zuletzt wohnte, verantwortlich ist. Für den Antrag beim Nachlassinsolvenzfahren gilt eine Frist von zwei Jahren, diese beginnt mit der Annahme der Erbschaft. Danach ist ein solches Insolvenzverfahren in den meisten Fällen verwirkt.

Beim Nachlassinsolvenzverfahren ist die Dauer nicht durch gesetzliche Vorgaben geregelt. Vielmehr kommt es im Einzelfall unter anderem darauf an, wie viele offene Verbindlichkeiten und Gläubiger existieren.

Nachlassinsolvenzverfahren: Der Ablauf im Detail

Um ein Nachlassinsolvenzverfahren in die Wege zu leiten, ist zuallererst ein entsprechender Antrag beim zuständigen Nachlassgericht zu stellen. Dieses prüft den Antrag anschließend auf seine Zulässigkeit. Dabei kommt es vor allem darauf an, ob die Ansprüche gegen den Nachlass auch tatsächlich begründet sind. Zudem klärt das Insolvenzgericht bereits zu diesem Zeitpunkt, ob der Nachlass noch die Mittel umfasst, um die Kosten für das Nachlassinsolvenzverfahren zu begleichen.

Nachlassinsolvenzverfahren: Eine Restschuldbefreiung erfolgt in diesem Fall nicht.

Nachlassinsolvenzverfahren: Eine Restschuldbefreiung erfolgt in diesem Fall nicht.

Beinhaltet der Nachlass genügend Vermögenswerte um die Verfahrenskosten abzudecken, eröffnet das Insolvenzgericht durch einen Beschluss das Insolvenzverfahren über den Nachlass. Darüber hinaus setzt das Gericht einen Insolvenzverwalter ein. Dieser nimmt Vermögen in Besitz und verwahrt dieses während des gesamten Nachlassinsolvenzverfahrens. Die Erben können von der Eröffnung an somit nicht mehr über den Nachlass verfügen.

Anschließend beginnt die eigentliche Arbeit des Insolvenzverwalters im Nachlassinsolvenzverfahren. Dazu zählt unter anderem die Herausgabe aller Gegenstände, welche nicht zum Eigentum des Erblassers gehörten. Zudem muss er das gesamte vorhandene Vermögen erfassen und ggf. verwerten.

Wollen Gläubiger des Erblassers Ansprüche geltend machen, müssen sich diese an den Insolvenzverwalter wenden und entsprechende Forderungen anmelden. Denn zu seinen Aufgaben zählt auch die Prüfung solcher Forderungen und ggf. die Feststellung in der Insolvenztabelle. Ansprüche von Pflichtteilsberechtigten oder Vermächtnisnehmern gelten bei einem Nachlassinsolvenzverfahren allerdings als nachrangig.

Konnte der Insolvenzverwalter durch die Verwertung der Insolvenzmasse ein Plus erwirtschaften, erfolgen Zahlungen an die berechtigten Gläubiger. Nach der sogenannten Schlussverteilung ist das Nachlassinsolvenzverfahren beendet.

Achtung! Ein Nachlassinsolvenzverfahren verursacht hohe Kosten. Daher eröffnen die zuständigen Insolvenzgerichte diese nur, wenn davon auszugehen ist, dass zumindest die Verfahrenskosten abgesichert sind. Die Kosten für ein Insolvenzverfahren beinhalten unter anderem die Gebühren des Gerichts und die Vergütung des Insolvenzverwalters.

Wann ist ein Nachlassinsolvenzverfahren sinnvoll?

Nachlassinsolvenzverfahren oder Erbausschlagung? Der jeweilige Einzelfall entscheidet!

Nachlassinsolvenzverfahren oder Erbausschlagung? Der jeweilige Einzelfall entscheidet!

Nachdem Sie von Ihrer Stellung als Erbe erfahren haben, bleiben Ihnen laut Gesetz sechs Wochen Zeit, um den Nachlass hinsichtlich Überschuldung zu prüfen. Stellen Sie dabei fest, dass beim Nachlass vermutlich die Schulden überwiegen, haben Sie grundsätzlich zwei Optionen: Erbausschlagung oder Nachlassinsolvenzverfahren.

Durch die Erbausschlagung verzichten Sie auf Ihr Erbrecht und entgehen dadurch gleichzeitig auch der Erbenhaftung. Eine entsprechende Erklärung müssen Sie dabei in der Regel innerhalb von sechs Wochen nach der Kenntnis des Erbfalls bzw. Erbanspruches abgeben.

Haben Sie diese Frist verpasst oder sind Sie sich unschlüssig, ob nicht doch positive Vermögenswerte existieren, können Sie alternativ ein Nachlassinsolvenzverfahren beantragen. Welche Option für Ihren jeweiligen Einzelfall am besten geeignet ist, sollten Sie ggf. mit einem Anwalt für Insolvenzrecht oder Erbrecht erörtern.

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