Privatinsolvenz abbrechen bzw. zurücknehmen – geht das?

Von schuldnerberatung.de, letzte Aktualisierung am: 11. Oktober 2021

Das Wichtigste zum Thema „Privates Insolvenzverfahren abbrechen“

Kann ich meine Privatinsolvenz abbrechen?

Nein. Der Schuldner kann ein einmal in Gang gesetztes Insolvenzverfahren nicht einfach abbrechen. Nach der Insolvenzeröffnung muss er die Privatinsolvenz normalerweise vollständig durchlaufen.

Und was passiert, wenn ich meinen Insolvenzantrag einfach zurückziehe?

Eine Rücknahme des Insolvenzantrags funktioniert nur, wenn Sie schnell genug sind. Denn Sie können Ihren Insolvenzantrag laut § 13 Abs. 2 Insolvenzordnung (InsO) nur dann zurückziehen, wenn das Gericht die Privatinsolvenz noch nicht eröffnet hat. Danach ist Ihre Rücknahme gegenstandslos. Sie können die eröffnete Privatinsolvenz nicht mehr abbrechen.

Ich habe gehört, ich kann die Einstellung der Insolvenz erreichen, wenn die Gläubiger dem zustimmen. Stimmt das?

Ja. Nach § 213 InsO kann der Schuldner die Einstellung des Insolvenzverfahrens mit Zustimmung der Gläubiger beantragen. Er sollte aber bedenken, dass die Schulden im Falle einer solchen Einstellung bestehen bleiben. Näheres zu dieser Möglichkeit und ihren Risiken lesen Sie hier.

Abbruch der Insolvenz durch Rücknahme des Insolvenzantrags?

Kann der Schuldner seine einmal beantragte Privatinsolvenz wieder abbrechen?
Kann der Schuldner seine einmal beantragte Privatinsolvenz wieder abbrechen?

Schuldner, die sich einmal entschieden haben, ein Insolvenzverfahren zu durchlaufen, können die Privatinsolvenz nicht einfach abbrechen.

Das Verfahren dauert drei Jahre – gerechnet ab dem Tag der Insolvenzeröffnung und vorausgesetzt, der Schuldner hat seinen Insolvenzantrag ab dem 1.10.2020 gestellt. Dann kommt die Gesetzesänderung von 2020 zugute, die für alle Verbraucher ein dreijähriges Restschuldbefreiungsverfahren vorsieht*.

Wer es sich nun doch anders überlegt, könnte versucht sein, seinen Antrag auf Eröffnung der Insolvenz zurückzuziehen. Doch so einfach ist das nicht:

  • Eine Rücknahme des Insolvenzantrags ist laut § 13 Abs. 2 InsO nur möglich, solange das Insolvenzgericht die Verbraucherinsolvenz noch nicht eröffnet hat.
  • Danach bleibt die Rücknahme des Insolvenzantrags rechtlich ohne Wirkung. Sie können ab diesem Zeitpunkt die Privatinsolvenz nicht mehr abbrechen. Das Verfahren läuft weiter – mit allen Konsequenzen.

*Hinweis zur Gesetzesänderung: Für Verbraucher, die ihren Antrag auf Eröffnung der Insolvenz zwischen dem 17.12.2019 und dem 30.9.2020 gestellt haben, verkürzt sich das bisher sechsjährige Verfahren monatsweise. Mehr zu dieser Reform des Insolvenzrechts lesen Sie in unserem Ratgeber zur Restschuldbefreiung.

Privatinsolvenz abbrechen durch Verfahrenseinstellung – nur selten möglich

Eine weitere Lösung könnte darin liegen, dass der Schuldner die Einstellung des Verfahrens beantragt. Die Insolvenzordnung sieht hier folgende Möglichkeiten vor:

Mit Zustimmung der Gläubiger können Sie zwar das Insolvenzverfahren abbrechen. Die Schulden bleiben dann aber bestehen.
Mit Zustimmung der Gläubiger können Sie zwar das Insolvenzverfahren abbrechen. Die Schulden bleiben dann aber bestehen.
  • Laut § 207 InsO stellt das Insolvenzgericht das Verfahren mangels Masse ein, wenn sich nach der Insolvenzeröffnung herausstellt, dass das pfändbare Schuldnervermögen (Insolvenzmasse) nicht ausreicht, um die Verfahrenskosten zu begleichen. Dazu wird es aber nicht kommen, wenn der Schuldner zusammen mit dem Insolvenzantrag einen Antrag auf Verfahrenskostenstundung nach § 4a InsO gestellt hat. Er müsste also diesen Stundungsantrag zurücknehmen. Ob und inwieweit dies tatsächlich sinnvoll ist, sollte vorher unbedingt ein Anwalt für Insolvenzrecht prüfen.
  • Sie können die Privatinsolvenz „abbrechen“, indem Sie die „Einstellung wegen Wegfalls des Eröffnungsgrundes“ nach § 212 InsO beantragen. Hierfür müssen Sie aber glaubhaft machen, dass Sie nach der Verfahrenseinstellung weder zahlungsunfähig und überschuldet sind und Ihnen auch keine Zahlungsunfähigkeit droht.
  • Zu guter Letzt erlaubt § 213 InsO eine Einstellung der Privatinsolvenz mit Zustimmung der Gläubiger. Der Schuldner muss dies beantragen und er benötigt das Einverständnis von den Gläubigern, die ihre Forderungen beim Insolvenzverwalter zur Insolvenztabelle angemeldet haben und damit am Insolvenzverfahren teilnehmen.

Überlegen Sie sich gut, ob Sie die Privatinsolvenz wirklich abbrechen wollen, indem Sie die Verfahrenseinstellung mit Zustimmung der Gläubiger beantragen. Denn die Gläubiger verzichten in diesem Fall nicht auf ihre Forderungen, sondern nur auf die Durchführung der Privatinsolvenz. Die Schulden bestehen also ohne Einschränkung weiter. Das Insolvenzgericht erteilt keine Restschuldbefreiung.

Bevor Sie nach Wegen suchen, wie Sie Ihre Insolvenz abbrechen können, sollten Sie sich darüber klar werden, warum und mit welchem Ziel. Lassen Sie sich anschließend unbedingt professionell beraten – von einer anerkannten Schuldnerberatungsstelle oder einem Rechtsanwalt. Nur so können Sie sicher sein, dass Ihr Vorgehen keine negativen Konsequenzen für Sie hat. Gerade eine übereilte Rücknahme der Anträge auf Restschuldbefreiung und Verfahrenskostenstundung kann verheerende Folgen haben und Sperrfristen für eine erneute Beantragung auslösen.

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Ein Gedanke zu „Privatinsolvenz abbrechen bzw. zurücknehmen – geht das?

  1. Kathrin

    Kann mir mein Auto weggenommen werden auch wenn ich zur Zeit arbeitslos bin. Wert ca 1000 Euro. 10 Jahre alt.. Lg

    Antworten

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