Privatinsolvenz wiederholen – Ist das möglich?

Von schuldnerberatung.de, letzte Aktualisierung am: 16. September 2020

Das Wichtigste zum Thema „Privatinsolvenz wiederholen“

Wie oft darf ein Schuldner die Privatinsolvenz wiederholen?

Rein theoretisch können Schuldner die Privatinsolvenz so oft wiederholen, wie sie möchten.

Worauf müssen Schuldner achten, wenn sie erneut Privatinsolvenz anmelden wollen?

Dabei sind besondere Sperrfristen zu beachten. Eine erneute Insolvenz nach erfolgter Restschuldbefreiung – also wenn die Privatinsolvenz bereits erfolgreich durchlaufen wurde – kann erst wieder nach zehn Jahren beantragt werden.

Wann darf jemand die Privatinsolvenz wiederholen, wenn ihm die Restschuldbefreiung versagt wurde?

Wurde die Restschuldbefreiung in der Vergangenheit versagt, darf ein Schuldner erst nach drei bzw. fünf Jahren einen erneuten Antrag stellen.

Verbraucher, die ab dem 1.10.2020 ihre Privatinsolvenz beantragen, durchlaufen voraussichtlich nur noch ein dreijähriges Verfahren bis zur Restschuldbefreiung. Mit dieser geplanten Gesetzesänderung soll die EU-Richtlinie über Restrukturierung und Insolvenz umgesetzt werden. Das Gesetzgebungsverfahren läuft jedoch noch. Weitere Informationen zur geplanten Verkürzung des Restschuldbefreiungsverfahrens von sechs auf drei Jahre lesen Sie in unserem Ratgeber zur Restschuldbefreiung.

Richtlinien der Insolvenzordnung zur Wiederholung der Insolvenz

Sie können die Privatinsolvenz wiederholen, müssen jedoch zehn, fünf oder drei Jahre warten.
Sie können die Privatinsolvenz wiederholen, müssen jedoch zehn, fünf oder drei Jahre warten.

Laut Angaben des Statistischen Bundesamtes haben im Jahr 2017 insgesamt fast 70.000 Verbraucher die Privatinsolvenz angemeldet. Dazu kamen knapp über 6.000 ehemals selbstständig Tätige. Nach maximal sechs Jahren endet die Wohlverhaltensphase der privaten Insolvenz mit der Restschuldbefreiung – der Betroffene ist endlich wieder schuldenfrei.

Für die meisten ehemaligen Schuldner ist das ein Start in ein neues Leben ohne Schulden. Das langwierige Verfahren, welches mit vielen Einschränkungen einhergeht, führt häufig dazu, dass die Betroffenen in der Zukunft umsichtiger mit ihren Finanzen umgehen. Doch in manchen Fällen können Schicksalsschläge, eine plötzliche Arbeitslosigkeit oder eben auch ein unwirtschaftliches Verhalten dazu führen, dass diese Personen erneut Schulden anhäufen.

Betroffene stellen sich dann häufig die Frage, ob sie laut Insolvenzrecht die Privatinsolvenz wiederholen können. Grundsätzlich ist das möglich. Rein theoretisch können Personen die private Insolvenz so oft durchlaufen, wie sie möchten. Eine Höchstgrenze wird in der Insolvenzordnung – kurz InsO – nicht genannt.

Allerdings sind bestimmte Fristen zu beachten, wenn Schuldner die Privatinsolvenz wiederholen möchten. Dabei kommt es darauf an, ob die Restschuldbefreiung in der Vergangenheit bereits erteilt oder aber versagt wurde.

Privatinsolvenz wiederholen, nachdem sie erfolgreich durchlaufen wurde

Hat ein Schuldner die Wohlverhaltensphase erfolgreich absolviert, kommt es zur Restschuldbefreiung. Die noch bestehenden Forderungen der Schuldner verfallen dann bis auf einige wenige Ausnahmen.

Hat eine Person danach erneut so hohe Schulden angehäuft, dass er diese nicht mehr aus eigener Kraft abbauen kann, hat sie die Möglichkeit, die Privatinsolvenz zu wiederholen. Dabei gilt laut § 287a Abs. 2 InsO jedoch, dass ein erneuter Antrag erst zehn Jahre nach der erfolgten Restschuldbefreiung gestellt werden kann.

Erneute Privatinsolvenz nach Versagung der Restschuldbefreiung

Die Privatinsolvenz zu wiederholen ist grundsätzlich möglich.
Die Privatinsolvenz zu wiederholen ist grundsätzlich möglich.

Nicht immer endet die private Insolvenz mit der Restschuldbefreiung. Unter gewissen Umständen kann diese auch vom Insolvenzgericht versagt werden. Das bedeutet dann, dass das gesamte vorherige Verfahren umsonst war.

Nach der Versagung der Restschuldbefreiung dürfen Betroffene die Privatinsolvenz nicht sofort wiederholen. Vielmehr müssen sie drei bzw. fünf Jahre lang warten, bis sie einen erneuten Antrag stellen dürfen. Ausschlaggebend für die Dauer der Wartezeit ist der Grund, welcher zur Versagung der Restschuldbefreiung geführt hat.

Laut § 287a Abs. 2 InsO darf der Schuldner die Privatinsolvenz nach drei Jahren wiederholen, wenn die Versagung der Restschuldbefreiung aus den folgenden Gründen erfolgte:

  • Verstoß gegen die Obliegenheiten gemäß § 296 InsO
  • Verstoß gegen Auskunfts- und Mitwirkungspflichten (§ 290 Abs. 1 Nr. 5 InsO)
  • Unvollständige oder falsche Angaben im Vermögensverzeichnis und bezüglich des Einkommens (§ 290 Abs. 1 Nr. 6 InsO)
  • Verletzung der Erwerbsobliegenheit (§ 290 Abs. 1 Nr. 7 InsO)
Schuldner können erst nach fünf Jahren die Privatinsolvenz wiederholen, wenn die Restschuldbefreiung auf Grund von Insolvenzstraftaten versagt wurde.

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Privatinsolvenz wiederholen – Ist das möglich?
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2 Gedanken zu „Privatinsolvenz wiederholen – Ist das möglich?

  1. M.d.

    Guten Tag, meine privatinsolvenz endete am 08.11.19.
    Wie erfolgt die Abrechnung des insolvenzverwalters? Das auskehrungskonto ist auch nach drei Tagen noch aktiv.
    Wann kann ich wieder über mein volles Gehalt verfügen und wo muss ich was beantragen?

    Antworten
  2. Katja

    Hallo hier meine Frage
    Mein Mann hatte eine Insolvenz 2009 mit der Restschuldbefreiung abgeschlossen. Musste dann aber 2011 wieder in Insolvenz gehen was uns zu diesem Zeitpunkt niemand gesagt hat ist das dieses Verfahren garnicht mit einer Restschuldbefreiung enden kann da die Frist zur erneuten stellung der Restschuldbefreiung nicht eingehalten wurde. Also wurde 2016 die Restschuldbefreiung versagt. Zu welchem Zeitpunkt kann er denn jetzt wieder einen Antrag stellen ?

    Antworten

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