Kann ich eine Privatinsolvenz vorzeitig beenden?

Das Wichtigste zum Thema „Privatinsolvenz vorzeitig beenden“

Wie lässt sich eine Privatinsolvenz vermeiden?

Werden vor der Anmeldung der Privatinsolvenz die bestehenden Schulden vorzeitig bezahlt, weil sich etwa die Gläubiger auf einen Vergleich einlassen, muss ein Insolvenzverfahren gar nicht erst eingeleitet werden.

Ist eine vorzeitige Beendigung der Privatinsolvenz möglich?

Ja, eine vorzeitige Beendigung der Privatinsolvenz ist nach drei oder fünf Jahren möglich. Damit erfolgt auch die Restschuldbefreiung früher.

Was muss ich tun, um die Privatinsolvenz vorzeitig zu beenden?

Schuldner können die Privatinsolvenz vorzeitig beenden durch die Zahlung von 35 Prozent der Forderungssumme inkl. der Verfahrenskosten (drei Jahre) bzw. nach alleiniger Begleichung der für die Insolvenz anfallenden Kosten (fünf Jahre).

Achtung, wichtiger Hinweis! Dieser Ratgeber bezieht sich auf die alte Rechtslage, die bis zum 30.09.2020 galt. Sie findet nur noch bei älteren Privatinsolvenzverfahren Anwendung. Verbraucher, die ab dem 1.10.2020 Privatinsolvenz beantragt haben, durchlaufen nur noch ein dreijähriges Verfahren bis zur Restschuldbefreiung. Weitere Informationen zur generellen Verkürzung des Restschuldbefreiungsverfahrens von sechs auf drei Jahre lesen Sie in unserem Ratgeber zur Restschuldbefreiung.

Gut zu wissen: Was ist die Privatinsolvenz eigentlich?

In diesem Video erfahren Sie, was genau die Privatinsolvenz eigentlich ist.
In diesem Video erfahren Sie, was genau die Privatinsolvenz eigentlich ist.

Umgehen Sie die Privatinsolvenz, indem Schulden vorzeitig abbezahlt werden

Viele Schuldner fragen sich, ob sie die Privatinsolvenz vorzeitig beenden können.
Viele Schuldner fragen sich, ob sie die Privatinsolvenz vorzeitig beenden können.

Bevor Schuldner die Insolvenz anmelden können, müssen sie zunächst einen außergerichtlichen Einigungsversuch mit den Gläubigern unternehmen. In einem Schuldenvergleich müssen Betroffene diesen mitteilen, welchen Teil der offenen Forderungen sie entweder durch eine Einmal- oder eine Ratenzahlung begleichen können.

Hierbei ist, wie auch bei der Insolvenz an sich, die Unterstützung durch einen Anwalt oder eine Schuldnerberatungsstelle unverzichtbar. Lassen sich die Gläubiger auf diesen Schuldenvergleich ein, ist es nicht nötig, die Privatinsolvenz anzumelden. Ist der Einigungsversuch jedoch erfolglos, bleibt dem Schuldner die Insolvenz in der Regel nicht erspart. Es gibt jedoch Möglichkeiten, die Privatinsolvenz vorzeitig zu beenden. Wann genau diese Option bei der Insolvenz besteht, erklären wir im Folgenden.

Privatinsolvenz: Vorzeitige Restschuldbefreiung nach drei oder fünf Jahren

In der Regel dauert die Wohlverhaltensphase bei der Insolvenz sechs Jahre. Unter gewissen Umständen können Schuldner diese jedoch auf drei oder fünf Jahre verkürzen und die Privatinsolvenz damit vorzeitig beenden:

  • Eine Restschuldbefreiung ist bei der Insolvenz nach einer drei Jahre langen Wohlverhaltensperiode möglich, wenn in dieser Zeit sowohl 35 Prozent der Forderungssumme als auch die kompletten Verfahrenskosten bezahlt werden konnten.
  • Das Verfahren kann auf fünf Jahre verkürzt werden, wenn in diesem Zeitraum zumindest die Verfahrenskosten abgezahlt wurden.
Betroffene sollten jedoch beachten, dass das Insolvenzverfahren in einem solchen Fall nicht automatisch endet. Damit sich die Privatinsolvenz vorzeitig beenden lässt und die Restschuldbefreiung erfolgen kann, muss vielmehr ein entsprechender Antrag beim zuständigen Insolvenzgericht gestellt werden.

Weitere Möglichkeiten, um die Privatinsolvenz vorzeitig zu beenden

Vermeiden der Privatinsolvenz, indem Schuldner vorzeitig Schulden ablösen: Das ist möglich.
Vermeiden der Privatinsolvenz, indem Schuldner vorzeitig Schulden ablösen: Das ist möglich.

Es gibt außerdem noch weitere Möglichkeiten, um die Insolvenz zu verkürzen. Haben Schuldner bei einer Privatinsolvenz die Schulden vorzeitig bezahlt und auch die Verfahrenskosten abgetragen, ist ein Antrag auf Beendigung des Insolvenzverfahrens jederzeit möglich.

Des Weiteren können Betroffene die Privatinsolvenz vorzeitig beenden, wenn die Gläubiger einem Vergleich mit einem Teilzahlungsangebot zustimmen. Dies ist laut einem Urteil des Bundesgerichtshofes (AZ: IX ZB 219/10) auch während der Wohlverhaltensperiode erlaubt. Der Schuldner muss jedoch belegen, dass sowohl die Verfahrenskosten als auch die sonstigen Masseverbindlichkeiten getilgt wurden.

Privatinsolvenz vorzeitig beenden: Werden SCHUFA-Einträge sofort gelöscht?

Meldet ein Schuldner ein Insolvenzverfahren an, wird dies bei der SCHUFA vermerkt. Doch wie verhält es sich nach erfolgter Restschuldbefreiung? Die gespeicherten und nach dem Verfahren erlassenen Schulden werden zunächst mit einem Erledigungsvermerk versehen. Die eigentliche Löschung der Einträge erfolgt hingegen nur auf Antrag – und zwar erst drei Jahre nach der Beantragung.

Video: Privatinsolvenz nach nur drei Jahren beenden

In diesem Video erfahren Sie, wie Sie Ihre Privatinsolvenz auf drei Jahre verkürzen können.
In diesem Video erfahren Sie, wie Sie Ihre Privatinsolvenz auf drei Jahre verkürzen können.

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Über den Autor

Meike
Meike Z.

Meike erwarb ihren Master-Abschluss im Fach Linguistik an der Universität Paderborn und ist seit 2016 Teil des schuldnerberatung.de-Teams. Ihr thematischer Fokus liegt insbesondere auf unterschiedlichsten Fragestellungen rund ums Schulden- und Insolvenzrecht.

Bildnachweise

97 Gedanken zu „Kann ich eine Privatinsolvenz vorzeitig beenden?

  1. Epmal

    Stand 2022.
    Schulden gesamt runde Euro 30.000,-
    .
    Dagegen stehen Zusagen aus persönlichem Umfeld,
    in das Verfahren Euro 20.000,- einzubringen.
    .
    Der Umgang mit dem Insolvenzverwalter gestaltet sich „mehr als schwierig“.
    .
    Ist es möglich / zulässig : selbst Kontakt mit den Gläubigern aufzunehmen
    und diesen im laufendem Regelinsolvenzverfahren einen Vergleich
    anzubieten, also die Euro 20.000,-
    ???????????????????????????????????
    .
    Stellen wir uns vor : die Gläubiger sind einverstanden mit sagen wir 30 %
    und „fremde“ Person zahlt an die Gläubiger, wäre das Verfahren dann,
    bis auf die Kostenfrage, erledigt ?

  2. Markus

    Hallo
    Ich habe heute einen Brief von der Richterin vom Amtsgericht bekommen. Sie gibt mir 2 Wochen Zeit um die Einkommens – und Vermögensverhältnisse meiner Frau darzulegen.
    Ich bezahle wirklich alle Rechnungen und Verfahrenskosten. Ich möchte nur sehr gerne meine Frau da raushalten, da ich damals diesen blöden Mist mit den Krediten gemacht habe. Geht das ?
    Viele Grüße.
    Markus

    1. Simon

      Hallo zusammen meine eingereichte Summe lag bei 100.000 €, letztendlich sind hab3n die Gläubiger nur 78.000€ gemeldet. Nach ca. 18 Monaten habe ich bereits 28000€ abbezahlt (ca.35% v. 78000€). Einen Antrag auf Restschuldbefreiung n. 3 Jahren habe ich bereits beantragt muss ich nun bis zu 36 Monaten warten oder könnte ich jetzt bereits auf die Restschuldbefreiung in Anspruch nehmen?
      Habe das Gefühl, dass mein Verwalter bewusst auf die 3. JAHRE hinarbeitet.

  3. Kiki

    Ich befinde mich in der Wohlverhaltensphase seit 1 Jahr. Ich hätte womöglich einen Freund, der mir die 35% + Verfahrenskosten zur Verfügung stellen will. Muss ich jetzt die gesamten 3 Jahre abwarten, bis ich diesen Antrag stellen kann?
    Welche Nachweise muss ich beibringen, damit es keine Zweifel gibt, dass das Geld von einer dritten Person stammt?

  4. NatiHK

    Hallo, ich hätte eine frage.
    Und zwar mein Freund hat geerbt und der Insolvenzberater hat das Geld Eingezogen. So jetzt soll er beim Gericht ein Antrag stellen da er ja alles Zahlt . Was für ein Antrag ist das genau und was muss drine stehen? Da er ja das Restliche Geld wiederbekommt und sein Konto wieder Frei wird.

  5. Cano Cano

    Hallo ich befinde mich seit 2019 in Privatinsolvenz. Laut Insolvenzverwalter wurden bei mir 6700€ Schulden ermittelt.
    Meine frage ist wenn ich davon 35 prozent bezahle komme ich dann schneller aus der Wohl Verhaltensphase oder muss ich dann trotzdem bis ich 3 jahre habe noch Gel pfänden lassen

  6. Christina

    Hallo
    Darf der Insolvenzverwalter die Betriebskosten einer Mietwohnung pfänden?
    Die Miete zieht er ein und die Betriebskosten auch, .

    Mit freundlichem Gruß

    Chris

  7. Ebru

    März 2018 habe ich eine Privatinsolvenz angemeldet nun ist es so, das ich diesen Monat Oktober 2020 meine gesamten schulden zu 100% + Verfahrenskosten plus 230 euro pro angefangenes Jahr an den Insolvenzverwalter abgetreten habe. was nun wird die Insolvenz Verwalterin mir noch mein Geld bis ende März 2021 weiter pfänden..oder könnte sollte müsste ich beim Gericht einen Antrag stellen.Und dan welchen? von Restschuld kann man ja nicht bei 100% begleichung??

    bitte um baldige Rückantwort.

    E.B

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