Veritätsrisiko beim Factoring: Wer trägt es?

Von schuldnerberatung.de, letzte Aktualisierung am: 18. Februar 2021

Das Wichtigste zum Veritätsrisiko

Was ist ein Veritätsrisiko?

Das Veritätsrisiko ist das Risiko, dass eine Forderung gar keinen rechtlichen Bestand hat. Der Käufer könnte diese also nicht eintreiben, obwohl er für diese gezahlt hat.

Wer trägt das Veritätsrisiko beim Forderungsverkauf?

Beim Factoring bzw. Forderungsverkauf liegt die Veritätshaftung in der Regel beim Verkäufer. Er haftet also dafür, wenn die verkaufte Forderung keinen Bestand hat.

Was passiert, wenn sich dieses Risiko verwirklicht?

In diesem Fall kann der Verkäufer zur Zahlung von Schadensersatz verpflichtet werden.

Welche Art von Geschäft stellt das Factoring dar?

Die Begriffe „Verität“ und „Veritätsrisiko“ spielen vor allem beim Factoring eine große Rolle. Aus diesem Grund möchten wir zunächst kurz auf dieses Konzept eingehen, damit alle Leser über die nötigen Grundlagen verfügen. Das Factoring wird auch Forderungsverkauf genannt.

Das Veritätsrisiko spielt beim Verkauf von Forderungen eine Rolle.
Das Veritätsrisiko spielt beim Verkauf von Forderungen eine Rolle.

Hat ein Unternehmen Leistungen erbracht oder Waren geliefert, muss der Kunde dies auch bezahlen. Häufig ist Letzterer jedoch nicht dazu verpflichtet, das Geld sofort zu überweisen, sondern ihm wird ein bestimmtes Zahlungsziel – zum Beispiel zwei oder vier Wochen – gesetzt. Das Unternehmen muss also meist eine Zeit lang auf das ihm zustehende Geld warten.

Das kann durchaus zu Liquiditätsengpässen führen, wenn das Geld dringend und kurzfristig benötigt wird – etwa, weil eine Lieferung bezahlt werden muss. In diesem Fall kann das Unternehmen auf das Factoring zurückgreifen. Dabei verkauft es die dem Schuldner gegenüber bestehende Forderung an ein Factoringunternehmen – auch Factor genannt. Der Verkäufer, also der ursprüngliche Gläubiger, erhält sofort sein Geld und muss sich nicht mehr mit der Eintreibung der Forderung beschäftigen. Diese Aufgabe hat nun der Factor.

Nun, da wir geklärt haben, was beim Factoring passiert, können wir im nächsten Abschnitt auf das Veritätsrisiko eingehen.

Das Factoring hilft Unternehmen dabei, schnell an liquide Mittel zu kommen. Doch dabei sollte Folgendes nicht außer Acht gelassen werden: Beim Verkauf von Forderungen an einen Factor fallen Gebühren an. Wie hoch diese sind, lässt sich nicht pauschal sagen, da diese von vielen unterschiedlichen Faktoren abhängen. Bevor Sie eine Forderung verkaufen, sollten Sie deshalb genau nachprüfen, welche Gebühren der Factor erhebt. Auf Grundlage dieser Informationen können Sie dann entscheiden, ob sich der Verkauf lohnt oder ob Sie nicht doch lieber darauf warten sollten, dass der ursprüngliche Schuldner zahlt.

Was ist das Veritätsrisiko? Eine Definition

Wer für Veritätsrisiken haftet, ist § 311 BGB zu entnehmen.
Wer für Veritätsrisiken haftet, ist § 311a BGB zu entnehmen.

Beim Factoring werden also Forderungen verkauft.  Es kann dabei jedoch vorkommen, dass ein Verkäufer eine Forderung veräußern möchte, die gar keinen Bestand hat. Dazu kann es etwa kommen, wenn die Forderung gar nicht existiert oder der Schuldner den Betrag bereits bezahlt hat.

Der Begriff „Verität“ leitet sich aus dem lateinischen „veritas“ („Wahrheit“) ab. Er weist auf den eingeschränkten oder gänzlich fehlenden rechtlichen Bestand von Forderungen hin. Das Veritätsrisiko ist damit das Risiko, dass eine Forderung gegenüber einem Schuldner gar nicht oder nur zum Teil besteht.

Was ist der Unterschied zwischen Bonitätsrisiko und Veritätsrisiko?

Neben dem Veritätsrisiko wird häufig auch vom Bonitätsrisiko gesprochen. Hierbei handelt es sich jedoch keineswegs um Synonyme, sondern um unterschiedliche Konzepte, auch wenn diese oft miteinander verwechselt werden.

Das Veritätsrisiko bedeutet, wie bereits erwähnt, dass ein Risiko besteht, dass eine verkaufte Forderung gar keinen rechtlichen Bestand hat. Der Factor, also der Käufer, könnte diese gar nicht beim angeblichen Schuldner einfordern.

Das Bonitätsrisiko bezeichnet hingegen das Risiko, dass ein Schuldner seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen kann – etwa, weil er in finanziellen Schwierigkeiten steckt und kurz vor der Insolvenz steht.

Die Bonität von Privatpersonen oder Unternehmen beschreibt deren Kreditwürdigkeit. Jemand ist kreditwürdig, wenn abzusehen ist, dass er künftigen Zahlungsverpflichtungen pünktlich und gänzlich nachkommen kann und will. In Deutschland speichert unter anderem die Wirtschaftsauskunftei SCHUFA Daten zur Bonität von Personen und Unternehmen.

Wer trägt das Veritätsrisiko beim Verkauf von Forderungen?

Die Verität einer Forderung muss vom Verkäufer nachgewiesen werden.
Die Verität einer Forderung muss vom Verkäufer nachgewiesen werden.

Es kann also durchaus dazu kommen, dass ein Forderungsverkäufer eine Forderung verkauft, die keinen rechtlichen Bestand hat. Der Käufer hätte dann dafür gezahlt, könnte das Geld jedoch nicht beim vermeintlichen Schuldner eintreiben.

Das würde für Käufer von Forderungen ein großes Risiko darstellen, über den Tisch gezogen zu werden. Um für ihren Schutz zu sorgen, gibt es die sogenannte Veritätshaftung beim Forderungsverkauf. Rechtlich ergibt sich diese aus § 311a des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB).

Das Veritätsrisiko trägt beim Factoring der Verkäufer, also der ursprüngliche Gläubiger. Nur er weiß nämlich, im Gegensatz zum Factor, über die Verität der Forderung Bescheid. Beim Forderungsverkauf muss er nachweisen, dass eine zu verkaufende Forderung existiert und rechtlichen Bestand hat. Als Unterlagen kann er unter anderem Rechnungen oder Verträge vorlegen.

Verkauft ein Unternehmen eine Forderung, die keinen Bestand hat und für die keine Abtretung möglich ist, so ist er dem Käufer zur Zahlung von Schadensersatz verpflichtet.

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