Factoring: Abläufe und Kosten dieser Finanzierungsform

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Das Wichtigste zum Thema „Factoring“

  1. Factoring bezeichnet den Verkauf von Forderungen von einem Factoring-Nehmer (= Unternehmen) an einen Factor (= Factoringinstitut)
  2. Ziel des Verfahrens ist die Risikoabsicherung von Unternehmen, denen bei Zahlungsunfähigkeit durch Kunden keine Nachteile entstehen, weil der Factor in diesem Fall eine Vorfinanzierung gewährt.
  3. Auch das Debitorenmanagement gehört zum Factoring. Gemeint ist hiermit die Kundenbuchhaltung, Bonitätsprüfung der Kunden sowie je nach Factoring-Anbieter auch Mahnwesen und Inkassotätigkeiten.
  4. Es gibt verschiedene Arten von Factoring, die sich bezüglich angebotener Leistungen unterscheiden.

Definition: Was mit Factoring überhaupt gemeint ist

Factoring meint laut allgemeiner Definition den Forderungsverkauf.

Factoring meint laut allgemeiner Definition den Forderungsverkauf.

Was bedeutet Factoring einfach erklärt? Grundsätzlich verbirgt sich hinter der englischen Bezeichnung “Factoring” der Forderungsverkauf. Dadurch können direkte Zahlungseingänge auch bei erst späterer Forderungsfälligkeit realisiert werden.

In der Praxis bedeutet Factoring, dass Unternehmen Forderungen aus Warenlieferungen und Dienstleistungen gegen Kunden, fortlaufend an ein Factoringinstitut verkaufen. Die Forderung gehört somit dem Factor, an welchen sie abgetreten wurde, und kann von diesem gegenüber dem Kunden geltend gemacht werden. Factoring dient gemäß dieser Erklärung also hauptsächlich der Risikoabsicherung von Unternehmen.

Der Kunde wird im genannten Kontext auch Abnehmer oder Debitor genannt. Für das Factoringinstitut gelten die Begriffe Factor oder Factoring-Unternehmen als Synonyme. Alternativ zu der Bezeichnung Forderungsverkauf wird in der Fachsprache auch von Forderungszession gesprochen.

Was der Factoringvertrag beinhaltet – verschiedene Komponenten

Neben dem Forderungskauf und -verkauf gehören weitere Komponenten zum Factoring, die abgedeckt werden, wenn es zum Vertragsabschluss zwischen Unternehmen und Factor kommt. Hierunter fällt auch das sogenannte Delkredere. Gemeint ist hiermit die Garantieübernahme für die Zahlungsunfähigkeit eines Schuldners durch das Factoring-Unternehmen. Dies ist insofern für das Factoring von Bedeutung als bei Nicht-Zahlung des Kunden der Factor das Risiko trägt und nicht der Forderungsverkäufer. Ferner gehört auch die Vorfinanzierung der offenen Rechnung (= Forderung) zu den Vertragsinhalten beim Factoring. Hat ein Unternehmen eine berechtigte Forderung gegenüber einem Kunden, lassen sich Wartezeiten bis zum tatsächlichen Zahlungseingang in der Regel nicht vermeiden.

Durch den Factoring-Vertrag können Unternehmen die Wartezeit umgehen, denn durch diesen wird die Forderung an den Kunden vorfinanziert. Branchenüblich sind im Allgemeinen Vorfinanzierungsraten zwischen 80 und 90 Prozent. Demzufolge erhält der Forderungsverkäufer zunächst einen Teilbetrag und nach Zahlung des Schuldners dann die noch ausstehende Summe.

Der dritte Bestandteil ist das Debitorenmangagement. Das heißt, Unternehmen, die Forderungen verkaufen, überlassen dem Factor

  • die Debitorenbuchhaltung,
  • regelmäßige Bonitätsprüfungen der Kunden,
  • das Mahnwesen sowie Inkassotätigkeiten.

Zwischen Factoring-Unternehmen und solchen, die im Inkassogeschäft tätig sind, gibt es Überschneidungen.

Zwischen Factoring-Unternehmen und solchen, die im Inkassogeschäft tätig sind, gibt es Überschneidungen.

Der Forderungsverkäufer – auch Factoring-Nehmer genannt – muss dadurch beispielsweise nicht mehr selbst Mahnbescheide verschicken, denn dies übernimmt der Factor im Rahmen vom Factoring-Vertrag. Es wird an dieser Stelle deutlich, dass es Überschneidungen zwischen den Tätigkeitsbereichen und Kompetenzen von Factoring-Unternehmen und denen von Inkassounternehmen gibt.

Factoring im Beispiel: Arten dieser Finanzierungsform

Unternehmen stehen verschiedene Factoring-Varianten zur Verfügung, zwischen denen je nach Bedarf gewählt werden kann. Eines haben alle in jedem Fall gemeinsam: Sie sorgen für eine Risikoabsicherung des Unternehmens. Im Folgenden erklären wir Ihnen einige Beispiele möglicher Varianten, die Factoring-Nehmern u. a. zur Verfügung stehen:

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  • Full-Service-Factoring: Hierbei handelt es sich um das gängigste Verfahren, welches deswegen auch als Standardfactoring bezeichnet wird. In diesem Fall umfasst das Factoring die Finanzierung, eine hundertprozentige Risikoabsicherung sowie eine vollumfängliche Unterstützung beim Debitorenmanagement. Demzufolge übernimmt das Factoringinstitut die komplette Rechnungslegung für seinen Kunden.
  • Bulk-Factoring: Wird auch Inhouse- oder Eigenservice-Factoring genannt. Der Factor verpflichtet sich zum Forderungsankauf und zur Risikoabsicherung, aber nicht für weitergehende Dienstleistungen. Der Factoring-Nehmer führt das Debitorenmanagement dementsprechend selbst – als Treuhänder für den Factor – durch.
  • Fälligkeits-Factoring: Hierbei nutzt der Factoringkunde (= Unternehmen) die Vorteile der vollständigen Absicherung im Risikofall. Außerdem profitiert er von der Entlastung beim Debitorenmanagement. Auf die sofortige Regulierung des Kaufpreises wird beim Bulk-Factoring jedoch verzichtet.
  • Echtes/Unechtes Factoring: Nur wenn das Factoringinstitut das Ausfallrisiko (= Delkredereschutz) trägt, wird das Verfahren als echtes Factoring bezeichnet. Ist dies nicht gegeben, gilt das Verfahren als “unecht”. Was das Factoring in Deutschland betrifft, wird jedoch seit Jahren fast ohne Ausnahme Erstere Variante praktiziert.
  • Offenes/Stilles Factoring: Wie der Name schon vermuten lässt, wird beim offenen Factoring der Debitor (= Kunde) über den Verkauf der Forderung informiert. Er wird aufgefordert direkt an den Factor zu zahlen. Ist das Verfahren hingegen still, was in Deutschland nicht zur verbreiteten Praxis gehört, kommt es nicht zur beschriebenen Offenlegung gegenüber dem Debitor.

Wie hoch sind beim Factoring die entstehenden Kosten?

Ein Vergleich der Kosten ist beim Factoring sinnvoll. Von Anbieter zu Anbieter unterscheiden sich diese mitunter deutlich. Selbst wenn es sich nur um geringfügige Jahresumsätze handelt, liegt das Einsparpotential schnell bei einigen tausend Euro.

Aber was kostet Factoring überhaupt und was gilt bei der Berechnung von Factoring-Gebühren? Wovon die Kosten u. a. abhängig sind, zeigt Ihnen folgende Liste:

  • Volumen der Forderung
  • Branche
  • Bonität
  • Debitorenkonzentration
  • Factoring-Variante
  • Factoringgebühr, Zins und Debitorenprüfkosten sowie u. U. eine Pauschalgebühr gehören zu den Factoring-Kosten.

    Factoringgebühr, Zins und Debitorenprüfkosten sowie u. U. eine Pauschalgebühr gehören zu den Factoring-Kosten.

    Unter Einbezug der genannten Punkte setzen sich die Factoringkosten grundsätzlich aus drei Kernkomponenten zusammen: Factoringgebühr, Zins und Debitorenprüfkosten. Bei kleineren Unternehmen kann stattdessen auch eine Pauschalgebühr vereinbart werden.

    Zusätzlich erheben einige Factoring-Anbieter auch eine einmalige Einrichtungsgebühr. Ferner können für bestimmte Dienstleistungen weitere Nebenkosten entstehen. Prüfen Sie als Factoring-Nehmer daher vor Vertragsabschluss genau, mit welchen Bedingungen Sie sich durch Ihre Unterschrift einverstanden erklären.

    Factoring: Vorteile und Nachteile

    Unternehmen wird durch das Factoring dabei geholfen, die Liquidität zu sichern und Ausfälle von Zahlungen zu verringern. Dabei bietet das genannte Verfahren aber sowohl Vor- als auch Nachteile. Der größte Vorteil liegt darin, dass Forderungsgegenwerte unmittelbar nach Entstehung der Forderung zur Verfügung stehen. Somit muss der Factoring-Nehmer nicht auf den Zahlungseingang des Debitors warten.

    Die hinzugewonnene Liquidität können Unternehmen, die das Factoring in Anspruch nehmen, dafür nutzen, Schulden zu tilgen oder Skonti bei Lieferantenrechnungen zu beanspruchen. Außerdem besteht die Möglichkeit, dass gegenüber den Debitoren längere Zahlungsziele gewährt werden.

    Vorteilhaft ist auch, dass die Risikoabsicherung Teil des Factoringvertrages ist. In Der Praxis bedeutet dies, dass vom Factoring-Geber das Delkredererisiko übernommen wird. Vor Zahlungsunfähigkeit der Kunden sind Unternehmen somit geschützt.

    Beim Factoring gibt es nicht nur Vor, sondern auch Nachteile aus Sicht des Factoring-Nehmers.

    Beim Factoring gibt es nicht nur Vor- sondern auch Nachteile aus Sicht des Factoring-Nehmers.

    Die Kehrseite der Medaille sind jedoch Kosten, die für das Factoring selbst anfallen, weshalb eine Kosten-Nutzen-Analyse vor Vertragsbeginn aufgestellt werden sollte.

    Der Factor erhebt ein umsatzabhängiges Entgelt, das in der Regel zwischen 0,6 und 2,5 Prozent des angekauften Forderungsvolumens liegt. Hinzu kommt in den meisten Fällen eine Pauschale für die Bonitätsprüfung der Kunden des Factoring-Nehmers. Für die im Vorfeld bereitgestellte Liquidität fallen außerdem Zinsen an.

    Was beim Factoring auch nicht selten Probleme bereitet, ist die Kundenbindung. Denn diese können es als negatives Signal werten, wenn der Factoring-Nehmer Forderungsverkäufe tätigt. Denn diesem könnte deswegen unterstellt werden, die Zahlungsmoral seiner Kunden anzuzweifeln.

    Abschließend sei bemerkt, dass sich Factoring auch nicht für jede Wirtschaftsbranche eignet. Während Industrie und Großhandel in der Regel davon profitieren, werden bei Dienstleistungen nur Forderungen angekauft, wenn diese genau definiert werden können.
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