Gehaltspfändung – Was beachtet werden muss

Das Wichtigste zur „Gehaltspfändung“

  1. Der Arbeitgeber muss bei der Gehaltspfändung mitwirken. Er überweist den pfändbaren Teil an den Gläubiger und den Freibetrag an den Schuldner.
  2. Grundlage für die Ermittlung der Pfändungsfreibeträge und des pfändbaren Arbeitseinkommens ist die Lohnpfändungstabelle.
  3. Es ist ratsam, dem Arbeitnehmer die bevorstehende Lohnpfändung mitzuteilen.

Pfändung: Wozu der Arbeitgeber verpflichtet ist

Pfändung von Arbeitseinkommen: Wird das komplette Einkommen gestrichen?

Pfändung von Arbeitseinkommen: Wird das komplette Einkommen gestrichen?

Gewöhnlich stellt das Arbeitseinkommen die einzige Einnahmequelle von verschuldeten Arbeitnehmern dar. Gläubiger wissen das und setzen genau hier an, um ihre Geldforderungen einzutreiben. Sie veranlassen die Gehaltspfändung, die direkt beim Arbeitgeber ansetzt. Die Pfändung von Arbeitseinkommen ist eine sehr häufige Zwangsvollstreckungsmaßnahme.

Die Gehaltspfändung: Was ist das und wie funktioniert sie?

Bei der Gehaltspfändung muss der Arbeitgeber mitwirken. Sie müssen den pfändbaren Anteil des Netto-Einkommens einbehalten und an den Gläubiger des Arbeitnehmers weiterleiten.

Der Gläubiger kann eine solche Pfändung über den Arbeitgeber nur dann veranlassen, wenn sein Vollstreckungstitel dem Schuldner zugestellt wurde und er auf Grundlage dessen einen Pfändungs- und Überweisungsbeschluss beim Gericht beantragt hat.

Dieser Beschluss wird dem Drittschuldner zugestellt, also demjenigen von dem der Vollstreckungsschuldner sein Einkommen bezieht. Im Falle der Lohn- bzw. Gehaltspfändung ist das der Arbeitgeber. Dieser ist verpflichtet, den pfändbaren Anteil des Nettoeinkommens an den Gläubiger zu überweisen. Den Pfändungsfreibetrag überweist der Arbeitgeber an seinen Beschäftigten.

Lohnpfändungstabelle und Pfändungsgrenze beim Gehalt

Jedem Vollstreckungsschuldner muss ein Existenzminimum verbleiben. Es darf also nicht das gesamte Arbeitseinkommen gepfändet werden. Wo beim monatlichen Gehalt die Pfändungsgrenze liegt, richtet sich nach der Höhe des jeweiligen Einkommens und danach, wie vielen Personen gegenüber der Schuldner zum Unterhalt verpflichtet ist.

Ein Hilfsmittel zur Bestimmung der Pfändungsfreigrenze bietet die Lohnpfändungstabelle. Diese erhalten Arbeitnehmer im Falle einer Verschuldung bei ihrer Schuldnerberatung. Als Alternative zur Pfändungstabelle kann die Höhe der Gehaltspfändung mit einem Rechner online ermittelt werden.

Schuldner können beim Vollstreckungsgericht einen formlosen Antrag auf Erhöhung der Pfändungsfreigrenze stellen und eine Bescheinigung über die Höhe des notwendigen Lebensbedarfs beifügen.

Gehaltspfändung stoppen

Wie können Sie eine Gehaltspfändung verhindern?

Wie können Sie eine Gehaltspfändung verhindern?

Um die Gehaltspfändung zu verhindern oder zu beenden, gibt es verschiedene Möglichkeiten:

Zunächst können Schuldner ihre Schulden beim Gläubiger bezahlen, sodass kein Anlass mehr zur Pfändung besteht.

Möglicherweise lassen sich Gläubiger auch auf eine Einigung bzw. einen Vergleich ein, z. B. indem der Schuldner ihnen eine Ratenzahlung anbietet.

Auch eine Privatinsolvenz würde die Gehaltspfändung beenden.

Zu der Frage, welcher Weg für Sie am besten geeignet ist, können Sie sich von einer Schuldnerberatungsstelle beraten lassen.

Tipps und richtiges Verhalten bei einer Gehaltspfändung

Pfändung: Was sage ich dem Arbeitgeber?

Informieren Sie bei einer Gehaltspfändung ihren Arbeitgeber um eine Vertrauensbasis zu schaffen.

Informieren Sie bei einer Gehaltspfändung ihren Arbeitgeber um eine Vertrauensbasis zu schaffen.

Informieren Sie Ihren Arbeitgeber von der bevorstehenden Vollstreckungsmaßnahme. Nur so kann die Vertrauensbasis zwischen Ihnen gewahrt werden. In der Regel rechtfertigt eine Gehaltspfändung keine Kündigung. Nur Beschäftigte in einer Vertrauensposition wie Geschäftsführer oder Kassierer können unter Umständen gekündigt werden.

Gehaltspfändung & Unterhalt

Bei einer Gehaltspfändung gilt: Unterhalt hat Vorrang. Ist der Arbeitnehmer einer oder mehreren Personen zum Unterhalt verpflichtet, muss der Arbeitgeber dies bei den Freibeträgen berücksichtigen. Prüfen Sie deswegen genau, ob alle unterhaltsberechtigten Personen berücksichtigt wurden.

Richtige Berechnung der Gehaltspfändung prüfen

Der Arbeitgeber berechnet den Pfändungsfreibetrag. Er muss hierbei auch zwischen pfändbarem und unpfändbarem Arbeitseinkommen unterscheiden. Das Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg entschied 2015, dass der Arbeitgeber tarifliche Zuschläge für Nacht-, Sonntags- und Feiertagsarbeit trotz Gehaltspfändung an den Arbeitnehmer auszahlen muss (Urteil vom 9. Januar 2015, Az. 3 Sa 1335/14).

Lassen Sie sich gegebenenfalls von einer anerkannten Schuldnerberatung oder einem Rechtsanwalt unterstützen.
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