Unterhaltspfändung beim Unterhaltsempfänger und Unterhaltspflichtigen

Von schuldnerberatung.de, letzte Aktualisierung am: 15. Mai 2021

Das Wichtigste zur Pfändung von Unterhalt

Was können Unterhaltsberechtigte tun, wenn der Unterhaltspflichtige nicht zahlt?

Sie können ihre Unterhaltsansprüche im Wege der Zwangsvollstreckung durchsetzen.

Wie funktioniert diese Unterhaltspfändung?

Normalerweise werden Unterhaltsforderungen per Lohnpfändung eingetrieben. Voraussetzung hierfür ist jedoch ein vollstreckbarer Unterhaltstitel und ein Pfändungs- und Überweisungsbeschluss.

Der Unterhaltspflichtige befindet sich in der Privatinsolvenz. Ist die Zwangsvollstreckung trotzdem möglich?

Alte Unterhaltsschulden, die vor der Eröffnung der Insolvenz bestanden, müssen die Berechtigten beim Insolvenzverwalter anmelden. Hier ist die Zwangsvollstreckung also ausgeschlossen. Neue Unterhaltsschulden, die nach der Insolvenzeröffnung entstehen, können die Unterhaltsgläubiger wieder per Zwangsvollstreckung eintreiben. Sie dürfen dabei laut § 89 Abs. 2 InsO sogar eigentlich unpfändbares Einkommen pfänden.

Ist Unterhalt eigentlich pfändbar?

Lohnpfändung wegen Unterhalt: Ein Selbstbehalt bleibt dem Zahlungspflichtigen, um den eigenen Lebensunterhalt bestreiten zu können.
Lohnpfändung wegen Unterhalt: Ein Selbstbehalt bleibt dem Zahlungspflichtigen, um den eigenen Lebensunterhalt bestreiten zu können.

Kommt es zu einer Pfändung im Rahmen einer Zwangsvollstreckung oder eines Insolvenzverfahrens, können gewisse Bezüge gepfändet werden und andere nicht. Wann kann eine Pfändung von Unterhalt erfolgen? Bei der Unterhaltspfändung kann von zwei verschiedene Arten der Pfändung die Rede sein:

  • Die Unterhaltspfändung erfolgt vom Lohn des Zahlungspflichtigen, da dieser seine Unterhaltspflicht missachtet und Zahlungsverbindlichkeiten nicht mehr erfüllt.
  • Der Unterhaltsberechtigte hat selbst Schulden und muss deshalb befürchten, dass der Unterhalt von seinem Konto gepfändet wird.

Unterhaltspfändung beim Unterhaltspflichtigen

Besteht eine Unterhaltspflicht, muss einem Schuldner genug Geld bleiben, um diese Pflicht zu erfüllen. Deshalb wird bei einer Pfändung des Einkommens einer unterhaltspflichtigen Person ein höherer Freibetrag zugesprochen. Je mehr unterhaltsberechtigte Personen Ansprüche erheben, desto höher ist die Pfändungsfreigrenze.

Kommt der Unterhaltspflichtige seinen Zahlungsverpflichtungen aber dennoch zum Beispiel aufgrund von Schulden nicht nach, kann das dazu führen, dass der Gläubiger den Unterhalt pfänden kann. Die Pfändungsfreigrenze wird beim Unterhalt nicht durch eine Tabelle, sondern durch ein Vollstreckungsgericht individuell festgelegt.

Der Freibetrag orientiert sich bei einer Pfändung des Unterhalts an der Höhe der Sozialleistungen. Bei einer Unterhaltspfändung können auch Nebeneinkommen, Arbeitslosengeld oder Sozialhilfe gepfändet werden. Dem Schuldner muss aber noch genug Geld bleiben, um den eigenen Lebensunterhalt zu bestreiten.

Lohnpfändung wegen Unterhalt: Ablauf

Pfändung von Kindesunterhalt: Unterhaltsberechtigte Personen können einen Nachweis erbringen, damit der Unterhalt nicht unpfändbar ist.
Pfändung von Kindesunterhalt: Unterhaltsberechtigte Personen können einen Nachweis erbringen, damit der Unterhalt nicht unpfändbar ist.

Durch einen Pfändungs- und Überweisungsbeschluss wird der Arbeitgeber über die Unterhaltspfändung informiert. Der vom Vollstreckungsgericht festgelegte Betrag wird dann vom Arbeitgeber direkt an den Unterhaltsberechtigten überwiesen.

Lohnpfändung wegen Unterhalt: Wie lange kann diese erfolgen? Die Unterhaltspfändung erfolgt meist in Form einer Lohnpfändung, da hier monatlich neues Geld für die Pfändung zur Verfügung steht. Unterhalt kann solange gepfändet werden, bis der Schuldner wieder in der Lage ist, den Unterhaltsverpflichtungen aus eigener Kraft nachzukommen.

Unterhaltspfändung beim Unterhaltsberechtigten

Hat ein Schuldner Anspruch auf Unterhalt, besteht dieser auch, wenn es zu einer Pfändung seines Kontos kommt. Unterhalt zählt nicht als Einkommen und kann vor einer Pfändung grundsätzlich geschützt werden.

Kommt es zu einer Kontopfändung, kann es aber sein, dass der Unterhalt trotzdem als Teil des Guthabens gepfändet wird. Eine Pfändung von Kindesunterhalt kann aber verhindert werden, indem beispielsweise ein Konto auf den Namen des Kindes oder ein Pfändungsschutzkonto (P-Konto) eingerichtet wird.

Ein P-Konto kann zwar grundsätzlich auch gepfändet werden, jedoch müssen ein gewisser Grundfreibetrag und pfändungsfreie Bezüge, wie der Kindesunterhalt, von der Pfändung unangetastet bleiben.

Hat die Unterhaltspfändung Vorrang vor anderen Pfändungen?

Eine Unterhaltspfändung kann im Vergleich zu anderen Pfändungen leichter durchgesetzt werden. Bei der Unterhaltspfändung erfolgt die Berechnung nicht durch eine Tabelle. Liegt das Einkommen bei einer normalen Pfändung unter dieser Pfändungsfreigrenze, erhält der Gläubiger kein Geld. Eine Pfändungsgrenze beim Unterhalt gibt es aber nicht. Somit erhält ein Unterhaltsgläubiger immer sein Geld.

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Unterhaltspfändung beim Unterhaltsempfänger und Unterhaltspflichtigen
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5 Gedanken zu „Unterhaltspfändung beim Unterhaltsempfänger und Unterhaltspflichtigen

  1. Willi

    Hallo liebes Team, meine Partnerin bekam kürzlich einen Pfändungsbescheid für Ihr Kind, das nicht bei ihr lebt, sondern in einer Pflegefamilie. Die Leistung soll rückwirkend für das Jahr 2011 gezahlt werden.
    Gibt es bei der Pfändung des Unterhalt eine Verjährungsgrenze?
    Mfg

    1. schuldnerberatung.de

      Hallo Willi,

      wurde der Unterhalt tituliert, tritt eine Verjährung nach 30 Jahren ein.

      Ihr Team von schuldnerberatung.de

  2. Natalie

    Hallo liebes Team,
    für meine Tochter habe ich 18 Jahre lang keinen Unterhalt erhalten. Ein Titel wurde über die Beistandschaft beim Jugendamt erwirkt. Dieser belief sich zuletzt auf gut 36.000,- Nun ist meine Tochter bereits 20 Jahre und hat erst vor ein paar Monaten ihre Unterlagen (Unterhaltstitel) vom Jugendamt erhalten. Sie befindet sich in der Ausbildung und möchte keinen weiteren Unterhalt mehr einklagen aber die 36.000,- auch nicht verwirken lassen. Pfändungen etc.haben nie etwas beim KV erbringen können. Also sieht sie auch keine Chance das abgelaufene Geld jemals zu erhalten. Der Anwalt sagt jetzt sie müsse aber weiterklagen, da sonst nach einem Jahr (was ja schon jetzt der Fall wäre!) die gesamte titulierte Schuld verfallen würde. Stimmt das so? Was hat es mit den 30 Jahren Titel auf sich, bekommt die nicht jedes Kind? Wir sind wirklich langsam verzweifelt. 🙁

  3. Torsten

    Hallo liebes Team, Ich habe vom Gericht eine Lohnpfändung bekommen weil ich den Unterhalt durch Schulden nicht bezahlen kann. Jetzt hab ich nur noch 1017 EU. Für mich. Das reicht nicht für mich. Was kann ich tun

  4. Tammi

    Guten Tag, mein Mann hat ein P Konto. Verdient Netto 1600€ und 1100 Brutto. Ihm werden 300€ Unterhalt (kind aus erster Beziehung) von den 1600€ gepfändet obwohl er auch noch in der Privatinsolvenz ist. Wir haben 2 gemeinsame Kinder (5&2j) und ich bekomme 800€ Kindergeld/zuschlag.
    Darf meinem Mann das Geld gepfändet werden? Ist das rechtens?

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