Privatinsolvenz in England: Vorteile und Nachteile für Schuldner

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Das Wichtigste zur Privatinsolvenz in England

  1. Bevor sich deutsche Staatsangehörige für eine englische Insolvenz entscheiden, sollten sie sich umfassend von einem seriösen und erfahrenen Rechtsanwalt beraten lassen.
  2. Bei der englischen Verbraucherinsolvenz erfolgt die Restschuldbefreiung schon nach zwölf Monaten. Allerdings bedarf es einer sehr langwierigen Vorbereitung. Der Lebensmittelpunkt muss mindestens sechs Monate vor dem Insolvenzantrag nach England verlagert werden.
  3. Privatinsolvenz in England verursacht hohe Kosten, die unter anderem durch den Umzug und die höheren Lebenshaltungskosten bedingt sind.

Was spricht für eine Privatinsolvenz in Großbritannien?

Anders als im deutschen Insolvenzrecht erfolgt die Restschuldbefreiung im Anschluss an die Privatinsolvenz in England schon nach zwölf Monaten.

Verbraucher, die aufgrund ihrer Überschuldung oder Zahlungsunfähigkeit in Deutschland Privatinsolvenz anmelden, brauchen eine sehr lange Zeit, bis sie wieder schuldenfrei sind. Die deutsche Insolvenzordnung sieht eine Restschuldbefreiung der betroffenen Schuldner gewöhnlich erst nach sechs Jahren vor. Die ebenfalls mögliche Verkürzung des Insolvenzverfahrens auf drei oder fünf Jahre kommt aufgrund der hohen Anforderungen in der Praxis eher selten in Betracht.

In England dauert die Privatinsolvenz bei weitem nicht so lange. Dort erfolgt die Restschuldbefreiung bereits nach zwölf Monaten. Daher erscheint es für deutsche Schuldner verlockend, die Privatinsolvenz in England zu durchlaufen. Weil das Ganze im Ausland stattfindet, verläuft das Verfahren auch noch relativ diskret.

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Privatinsolvenz in England – umfangreiche Vorbereitungen erforderlich

Ganz so einfach ist es aber doch nicht. Wer ein Insolvenzverfahren auf der britischen Insel anstrebt, muss sich darüber im Klaren sein, dass dies auch einen bedeutenden Einschnitt in sein bisheriges Leben bedeutet. Er muss seiner deutschen Heimat für eine ganze Weile den Rücken kehren. Bevor ein Schuldner die Privatinsolvenz in England anmelden kann, muss er einige recht kostspielige und zeitintensive Vorkehrungen treffen.

  • Abmeldung beim deutschen Einwohnermeldeamt: Schuldner, die eine Restschuldbefreiung in England anstreben, dürfen in Deutschland keine ladungsfähige Adresse mehr haben. Sie müssen sich also beim Einwohnermeldeamt abmelden. Die deutsche Staatsbürgerschaft bleibt selbstverständlich bestehen. Beachten Sie hierbei, dass Ihre Ausweise noch mindestens zwei Jahre lang gelten.
  • Lebensmittelpunkt in England: Die Privatinsolvenz in England steht nur solchen Personen offen, die hieb- und stichfest nachweisen können, dass sie in England leben und dort ihren Lebensmittelpunkt (center of main interest) haben. Und das ist mit einigen Kosten und viel Aufwand verbunden. Sie benötigen dort einen festen Wohnsitz und müssen dorthin umziehen. Ein Hotelzimmer oder eine Alibi-Adresse bei Bekannten reichen hierfür nicht aus. Zusätzlich eröffnen Sie ein Konto und suchen sich eine Arbeit in Ihrer neuen Wahlheimat. Zukünftig werden Sie sich überwiegend in England aufhalten müssen.
  • Englische Sozialversicherungsnummer: Diese Nummer benötigen Schuldner einerseits, um Gehalt von Ihrem neuen englischen Arbeitgeber beziehen zu können. Andererseits ist sie ein Beleg dafür, dass Sie überwiegend wirtschaftliche und nicht nur touristische Interessen an Ihrem Aufenthalt im Vereinigten Königreich haben. Das ist eine zwingende Voraussetzung für die Privatinsolvenz in England.
  • Warte- und Vorbereitungszeit: Nun bedarf es einiger Geduld, denn Schuldner sollten keinesfalls unmittelbar nach ihrem Umzug die Insolvenzeröffnung beantragen. Denn dann läge es klar auf der Hand, dass es sich hier um einen Fall von reinem und nicht akzeptiertem Insolvenztourismus handelt. Gehen Sie stattdessen mindestens ein halbes Jahr Ihrer neuen Berufstätigkeit vor Ort nach und bereiten Sie in dieser Zeit Ihren Antrag auf Privatinsolvenz in England vor. Lassen Sie sich hierbei am besten von einem spezialisierten Rechtsanwalt helfen. Dieser hilft Ihnen beim Ausfüllen der Formulare und dem Zusammenstellen aller Gläubiger.

Antragstellung auf Eröffnung der Insolvenz: Nach circa sechs Monaten kann der Schuldner seinen Insolvenzantrag stellen. Das funktioniert inzwischen sogar online bei der englischen Insolvenzbehörde.

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Eigentliches Verfahren zur Privatinsolvenz in England

Deutschen Staatsangehörigen steht die Privatinsolvenz in England nur offen, wenn dort ihr Lebensmittelpunkt liegt. Der Richter prüft dies sehr genau.
Deutschen Staatsangehörigen steht die Privatinsolvenz in England nur offen, wenn dort ihr Lebensmittelpunkt liegt. Der Richter prüft dies sehr genau.

Die Insolvenzbehörde wird den Insolvenzantrag sehr genau dahingehend prüfen, ob die Verfahrensvoraussetzungen gegeben sind und der Lebensmittelpunkt des Antragstellers tatsächlich in Großbritannien liegt.

Gewöhnlich wird ein Termin angeordnet, bei dem der Schuldner beim Richter vorsprechen und seine Situation mündlich darstellen muss. Den Gläubigern wird im Vorfeld die Möglichkeit gegeben, sich ebenfalls zu äußern und ggf. Einspruch einzulegen. Manche Gläubiger erheben Zweifel daran, dass der Lebensmittelpunkt ihres Schuldners tatsächlich in England liegt. Dieser Termin und auch das folgende Interview mit dem staatlichen Insolvenzverwalter müssen daher sehr gut vorbereitet werden.

Sind alle Voraussetzungen erfüllt, eröffnet das Gericht das Verfahren und setzt einen Official Receiver (Insolvenzverwalter) ein. Das Vermögen des Schuldners geht automatisch auf diesen über. Ausgenommen hiervon sind z. B. Gegenstände für die eigene Berufstätigkeit, Kleidung und der übliche Hausrat.

Der Insolvenzverwalter wird sich gegebenenfalls öfter an den Schuldner wenden und Fragen zu dessen aktuellen Lebens- und Einkommenslage stellen. Er kann dafür auch Kontoauszüge, Gehaltsabrechnungen und dergleichen von ihm anfordern. Auch wird er immer wieder prüfen, ob sich der Lebensmittelpunkt tatsächlich in England befindet.

Der Official Receiver wird unter anderem die Einnahmen und die rechtlich zulässigen Ausgaben des Schuldners unter die Lupe nehmen. Ergibt sich dabei ein monatlicher Überschuss von mehr als 20 £, wird er mit dem insolventen Schuldner ein Income Payment Agreement (Zahlungsvereinbarung) treffen, welches normalerweise auf 36 Monate angelegt ist und damit über die Zeit der Restschuldbefreiung hinausgeht. Stichtag ist dabei der Tag der Unterzeichnung dieses Agreements.

Achtung! Eine allzu schnelle Rückkehr nach Deutschland gefährdet die grenzüberschreitend gültige Restschuldbefreiung. Daneben birgt die Privatinsolvenz in England für Laien viele Fallstricke. Sie sollte daher keinesfalls ohne seriösen rechtlichen Beistand durchgeführt werden.

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Privatinsolvenz in England: Was Ihnen bei Insolvenztourismus passieren kann

Bei unklaren, unvollständigen oder unrichtigen Angaben im Insolvenzantrag kann der Richter den Antrag auf die Privatinsolvenz in Großbritannien ablehnen.

Den englischen Gerichten und Behörden ist nicht entgangen, dass viele deutsche Schuldner nur nach England kommen, um das langwierige deutsche Insolvenzverfahren zu umgehen. Diesem Insolvenztourismus hat der britische Gesetzgeber einen Riegel vorgeschoben und die Regeln zur englischen Verbraucherinsolvenz für deutsche Staatsbürger verschärft.

Alle im Insolvenzantrag gemachten Angaben werden nunmehr sehr genau geprüft. Das gilt insbesondere für den Lebensmittelpunkt, der zwingend in Großbritannien liegen muss. Wer hierzu falsche, unvollständige oder unklare Angaben macht, muss gewöhnlich mit der Ablehnung seines Antrags rechnen.

Und selbst wenn das Insolvenzverfahren genehmigt wurde, kann das englische Gericht die gewährte Restschuldbefreiung im Nachhinein wieder zurücknehmen.

Ebenso wie das deutsche Insolvenzrecht hat auch die Privatinsolvenz in England ihre Tücken. Ohne einen fachlich kompetenten Berater ist dies kaum zu bewerkstelligen. Leider kursieren im Internet viele unseriöse Angebote, die eine unkomplizierte EU-Insolvenz versprechen. Die Anbieter sind aber oftmals nicht vor dem zuständigen britischen Gericht zugelassen, sodass der Schuldner gezwungen ist, einen britischen Anwalt einzuschalten. Das verursacht noch mehr Kosten, ohne dass anschließend ein entsprechender Erfolg garantiert wäre.

Lassen Sie sich im Vorfeld von einem erfahrenen und seriösen englischen Rechtsanwalt beraten, ob die Privatinsolvenz in England für Sie der richtige Weg ist. Vor diesem recht einschneidenden Schritt ist es unbedingt nötig, die persönlichen, familiären und beruflichen Umstände genau zu prüfen. Manchmal ist die englische Insolvenz eine gute Lösung. Doch oft lohnt sich der zeitliche und kostenmäßige Aufwand nicht.

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