Schuldeneintreiber: Wer in Deutschland Geld eintreiben kann

Von schuldnerberatung.de, letzte Aktualisierung am: 23. August 2020

Das Wichtigste zum Schuldeneintreiber

Was ist ein Schuldeneintreiber?

Schuldeneintreiber ist jemand, der die offene Forderung eines Gläubigers in dessen Auftrag durchsetzt. Er kann die Forderung aber auch kaufen und diese dann im eigenen Namen eintreiben.

Welche Art von Schuldeneintreiber gibt es?

Es gibt öffentlich bestellte und private Schuldeneintreiber: Als Geldeintreiber gelten zum einen unabhängige Gerichtsvollzieher und zum anderen Inkassounternehmen, die von Gläubigern beauftragt werden.

Wann werden Schuldeneintreiber tätig?

Ein Gerichtsvollzieher wird erst dann beauftragt, wenn eine Zwangsvollstreckung angeordnet wurde – also erst, wenn der Gläubiger einen Vollstreckungstitel besitzt. Ein Inkassounternehmen kann schon weitaus früher mit der Aufgabe der Eintreibung von Schulden betraut werden, beispielsweise ab der ersten Mahnung.

Wann ein Schuldeneintreiber beauftragt wird

Gläubiger können von einem Inkasso-Geldeintreiber offene Rechnungen und Schulden eintreiben lassen.
Gläubiger können von einem Inkasso-Geldeintreiber offene Rechnungen und Schulden eintreiben lassen.

Wer Schulden hat und diese nicht begleichen kann, muss damit rechnen, dass Gläubiger Wege finden, die offenen Forderungen einzutreiben. Reagiert ein Schuldner nicht auf Zahlungsaufforderungen und außergerichtliche Mahnungen, haben Gläubiger verschiedene Möglichkeiten, um das Geld eintreiben zu lassen. Beispielsweise kann ein Inkassounternehmen beauftragt werden oder ihre Forderungen mittels einer Zwangsvollstreckung durchsetzen.

Eine Zwangsvollstreckung kann aber nicht ohne Weiteres durchgeführt werden. Vorher müssen Gläubiger nämlich ein Mahnverfahren durchlaufen. Der Schuldner erhält dann einen gerichtlichen Mahnbescheid. Damit wird der verschuldeten Person noch einmal die Möglichkeit gegeben, die Schulden innerhalb von zwei Wochen zu begleichen. Alternativ kann der Betroffene auch Einspruch gegen den Mahnbescheid einlegen, wenn dieser mit der Geldforderung nicht einverstanden ist.

Ignoriert der Schuldner den Mahnbescheid, kann der Gläubiger einen Vollstreckungstitel beantragen. Dieser befähigt ihn dazu, seine Forderungen per Zwangsvollstreckung eintreiben zu lassen. Der Schuldner erhält in diesem Fall einen Vollstreckungsbescheid. Reagiert er auf diesen Bescheid nicht, wird ein Gerichtsvollzieher beauftragt, der sich um das Eintreiben von Forderungen kümmert.

Ein anderer Schuldeneintreiber kommt viel früher ins Spiel. Ein Inkassounternehmen kann nämlich schon dann beauftragt werden, wenn ein Schuldner Rechnungen nicht zahlt und nicht auf Zahlungserinnerungen seitens des Gläubigers reagiert. Beide Schuldeneintreiber sollen im Folgenden näher vorgestellt werden.

Inkassounternehmen als Schuldeneintreiber

Privatschulden eintreiben: Als Geldeintreiber können Inkasso-Unternehmen private Schulden eintreiben.
Privatschulden eintreiben: Als Geldeintreiber können Inkasso-Unternehmen private Schulden eintreiben.

Inkassounternehmen haben es sich zur Aufgabe gemacht, fremde Geldforderungen einzutreiben. Sie werden von Gläubigern beauftragt, wenn diese Schulden eintreiben wollen. Begleicht ein Schuldner seine Rechnungen über längere Zeit nicht, kann es also sein, dass dieser nach einem gewissen Zeitraum Post von einem Inkassounternehmen erhält.

Wann kann ein Inkassounternehmen beauftragt werden?

Ein Inkassounternehmen kann als Schuldeneintreiber beauftragt werden, wenn eine offene Forderung besteht, diese berechtigt ist und der Schuldner in Zahlungsverzug geraten ist. In Zahlungsverzug gerät eine Person, wenn der Schuldner Mahnungen erhalten hat, eine sofortige Zahlung vereinbart wurde und diese nicht getätigt worden ist oder wenn für die Zahlung eine bestimmte Frist galt, die nun verstrichen ist.

Wie geht ein Inkassounternehmen bei der Schuldeneintreibung vor?

Inkassounternehmen sind Dienstleister, die als Schuldeneintreiber fungieren. Dabei können sie Schulden auf verschiedene Arten eintreiben:

  • Der Gläubiger beauftragt das Inkassounternehmen mit der Eintreibung der Schulden. Das Inkassounternehmen handelt dann im Auftrag des Gläubigers.
  • Der Gläubiger kann die offenen Forderungen an das Inkassounternehmen verkaufen. Der Anspruch auf das Geld geht in diesem Fall auf die Inkassofirma über.

Das Inkassounternehmen, wird in verschiedenen Schritten versuchen, die Forderungen durchzusetzen und so die Schulden eintreiben. Dabei ist es egal, ob es dies im eigenen Namen tut oder im Namen des Gläubigers handelt.

In einem ersten Schritt wird ein Inkassounternehmen den Schuldner mit außergerichtlichen Mahnungen zur Zahlung auffordern. Bringt das die verschuldete Person nicht dazu, die Schulden zu begleichen, geht die Inkassofirma in diesem Fall genauso vor wie ein allein handelnder Gläubiger auch:

  • Es wird ein gerichtliches Mahnverfahren durchlaufen, wodurch ein Mahnbescheid erwirkt wird.
  • Anschließend kann das Inkassounternehmen einen Vollstreckungstitel beantragen. Mit einem Vollstreckungsbescheid kann dann eine Zwangsvollstreckung durchgeführt werden.

Wann kann ein Inkassounternehmen als Schuldeneintreiber scheitern?

Schulden eintreiben: Wer privat Schulden hat, muss damit rechnen, dass Inkasso-Eintreiber tätig werden.
Schulden eintreiben: Wer privat Schulden hat, muss damit rechnen, dass Inkasso-Eintreiber tätig werden.

Durch eine Zwangsvollstreckung kann das Inkasso-Unternehmen dann Geld eintreiben, welches bisher nicht bezahlt wurde, aber dem Gläubiger bzw. der Inkassofirma zusteht. Allerdings kann dies nicht zum Erfolg führen, wenn der Schuldner beispielsweise zahlungsunfähig ist, sprich wenn dieser einfach kein Geld mehr hat, das gepfändet werden kann.

Ist ein Schuldner insolvent, führt eine Zwangsvollstreckung in der Regel ins Leere. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn sein Vermögen oder sein Einkommen unterhalb der Pfändungsgrenze liegt. Inkassoeintreiber können in diesem Fall ein Überwachungsverfahren einleiten, bei welchem die finanzielle Lage der verschuldeten im Auge behalten wird.

Der Schuldeneintreiber hat außerdem erst einmal keinen Aussicht auf die Befriedigung der Forderungen, wenn die verschuldete Person abstreitet, dass offene Forderungen bei einem Gläubiger bestehen, die Schulden also nicht anerkennt. Es kann außerdem auch passieren, dass ein Schuldner zwar die Schulden an sich nicht bestreitet, aber die Höhe des offenen Betrages anzweifelt.

In diesem Fall kommt es meist zu einem Klageverfahren. Hierbei hat das Inkassounternehmen die Möglichkeit, offene Forderungen vor Gericht geltend zu machen. Das Urteil dient dem Inkassounternehmen als Vollstreckungstitel, mit welchem es dann auch Zwangsvollstreckungsmaßnahmen durchsetzen kann.

Der Gerichtsvollzieher als unparteiischer Schuldeneintreiber

Kommt es infolge von Schulden zu einer Zwangsvollstreckung, werden Gerichtsvollzieher eingesetzt, um diese durchzuführen. Voraussetzung ist hierbei das Vorhandensein eines Vollstreckungstitels bzw. eines Vollstreckungsbescheids.

Welche Aufgaben hat ein Gerichtsvollzieher?

Ein Gerichtsvollzieher ist dafür zuständig, die Entscheidung des Gerichts durchzusetzen. Das heißt, sein Auftrag besteht darin, die Schulden im Namen des Gerichts einzutreiben. Zu seinen Aufgaben gehört es zum Beispiel:

    • eine Vermögensauskunft abzunehmen
    • Ratenzahlungen zu vereinbaren und entgegenzunehmen
    • Gegenstände zu pfänden und zu versteigerneigerung
    • Räumungsklagen durchzusetzen

Nachdem der Schuldner auf einen Vollstreckungsbescheid nicht reagiert hat, können einen Gerichtsvollzieher beauftragen und einen Antrags auf Zwangsvollstreckung stellen.

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