Privatinsolvenz wegen Corona – Auswege und Ablauf der Verbraucherinsolvenz

Von schuldnerberatung.de, letzte Aktualisierung am: 12. März 2021

Das Wichtigste zur Privatinsolvenz wegen Corona

Ich kann aufgrund der Coronakrise mit Verbindlichkeiten nicht mehr bezahlen. Muss ich sofort Privatinsolvenz anmelden?

Nein. Auch zu Zeiten von Corona gilt: Eine Privatinsolvenz kommt nur dann in Betracht, wenn ein Verbraucher zahlungsunfähig bzw. überschuldet ist und wenn sein Versuch, sich mit seinen Gläubigern über den Schuldenabbau zu einigen, nachweislich gescheitert ist.

Überschuldet – heißt das, ich muss besonders hoch verschuldet sein, um Privatinsolvenz wegen Corona beantragen zu dürfen?

Nein. Es kommt dabei nicht darauf an, dass die Schulden einen besonders hohen Betrag erreichen müssen. Bei Verbrauchern genügt es, wenn er seinen fälligen Verbindlichkeiten nicht mehr nachkommen kann – egal wie hoch diese sind.

Wie kann ich trotz Corona-Pandemie eine Privatinsolvenz vermeiden?

Um eine Insolvenz wegen Corona zu vermeiden, ist es wichtig, dass Sie halbwegs zahlungsfähig bleiben. Versuchen Sie, Ihr Einkommen mit staatlichen Hilfen aufzustocken und zahlen Sie wenigsten die wichtigsten Schulden wie Miete, Strom etc. zuerst. Näheres erfahren Sie hier.

Verbraucher, die ab dem 1.10.2020 Privatinsolvenz beantragt haben, durchlaufen nur noch ein dreijähriges Verfahren bis zur Restschuldbefreiung. Mit dieser Gesetzesänderung wurde die EU-Richtlinie über Restrukturierung und Insolvenz umgesetzt. Weitere Informationen zur Verkürzung des Restschuldbefreiungsverfahrens von sechs auf drei Jahre lesen Sie in unserem Ratgeber zur Restschuldbefreiung.

Wegen Corona-Pandemie mehr Privatinsolvenzen in diesem Jahr erwartet

Kann ich eine Privatinsolvenz trotz Corona-Krise vermeiden?
Kann ich eine Privatinsolvenz trotz Corona-Krise vermeiden?

Laut dem Schuldenbarometer des Informationsinstituts Crifbürgel verringerte sich die Anzahl der Privatinsolvenzen im Jahr 2019 um 2,4 Prozent. Damit ging die Anzahl der Verbraucherinsolvenzen zum neunten Mal in Folge zurück. Dieser Trend wird dieses Jahr voraussichtlich gestoppt.

Crifbürgel erwartet, dass 2020 mehr Verbraucher Privatinsolvenz aufgrund der Corona-Pandemie anmelden müssen. Dies liege einerseits daran, dass viele Beschäftigte aufgrund der wirtschaftlichen Folgen der Krise in die Arbeitslosigkeit oder in die Kurzarbeit rutschen und damit plötzlich mit einer gravierenden Einkommensverschlechterung konfrontiert sind.

Privatinsolvenz trotz Corona-Pandemie abwenden – Tipps für Verbraucher, wenn das Geld knapp wird

Für die Betroffenen, die nun nicht mehr wissen, wovon sie Miete, Strom und dergleichen bezahlen sollen, stellt sich nun die Frage, ob und wie sie eine Privatinsolvenz trotz Corona vermeiden können. Wichtig ist es auf jeden Fall, so schnell wie möglich die im Folgenden erläuterten Schritte einzuleiten.

Staatliche Hilfen beantragen: Arbeitslosengeld, Hartz IV, Wohnungsgeld & Co.

Prüfen Sie, ob Sie gegebenenfalls staatliche Hilfe in Anspruch nehmen können und beantragen Sie diese umgehend, um zumindest einen Teil des Einkommensverlusts auszugleichen. Möglich sind etwa:

  • Arbeitslosengeld, falls Ihnen gekündigt wurde
  • Hartz IV, wenn Ihnen kein Arbeitslosengeld 1 zusteht oder Ihr Einkommen unterhalb des Existenzminimums liegt
  • Kurzarbeitergeld, sofern Ihr Arbeitgeber aber Kurzarbeit beantragt hat
  • Wohngeld

Nach der Einkommenssicherung gilt es als nächstes, sogenannte existenzgefährdende Primärschulden und eine Privatinsolvenz wegen Corona möglichst zu vermeiden.

Existenzgefährdenden Schulden zuerst bezahlen

Wer trotz Einkommenseinbußen infolge der Corona-Pandemie eine Privatinsolvenz vermeiden will, muss schnell handeln.
Wer trotz Einkommenseinbußen infolge der Corona-Pandemie eine Privatinsolvenz vermeiden will, muss schnell handeln.

Wer nicht alles bezahlen kann, muss Prioritäten setzen und überlegen, welche Verbindlichkeiten er zuerst bezahlt. An erster Stelle stehen Zahlungen, die dafür sorgen, dass Sie ihre elementaren Lebensbedürfnisse befriedigen können.
Demnach sind Kosten in folgender Reihenfolge zu bezahlen:

  1. Miete
  2. Strom und Energie
  3. Telefon und Internet
  4. Medikamente und Lebensmittel
  5. Unterhalt

Der Gesetzgeber hat beschlossen, dass Vermieter ihren Mietern in den nächsten Monaten nicht kündigen dürfen, wenn diese aufgrund der Coronakrise mit bis zu drei Monatsmieten in Rückstand sind.

Versuchen Sie trotzdem, Ihre Miete immer pünktlich zu bezahlen. Denn die Mietschulden bleiben bestehen und müssen später zurückgezahlt werden. Umso mehr Mietrückstände sich ansammeln, desto größer die Gefahr, die Wohnung später doch zu verlieren und Privatinsolvenz aufgrund von Corona beantragen zu müssen.

Pleite wegen Corona: Wie eine Privatinsolvenz abläuft

Der Antrag zur Privatinsolvenz aufgrund der Corona-Pandemie ist erst möglich, wenn ein Einigungsversuch mit den Gläubigern scheitert.
Der Antrag zur Privatinsolvenz aufgrund der Corona-Pandemie ist erst möglich, wenn ein Einigungsversuch mit den Gläubigern scheitert.

Auch wenn die Schulden an allen Ecken und Enden drücken – eine Privatinsolvenz aufgrund von Corona ist erst die letzte Option, wenn es keine andere Möglichkeit zum Schuldenabbau gibt. Jede Verbraucherinsolvenz setzt neben der Zahlungsunfähigkeit zwingend voraus, dass der Schuldner versucht, sich mit seinen Gläubigern über die Schuldenregulierung zu einigen. Nur wenn dieser Versuch scheitert und eine anerkannte Schuldnerberatung oder ein Anwalt dies bescheinigt, steht der Weg für ein Verbraucherinsolvenzverfahren offen.

Für den Einigungsversuch muss übrigens ein sogenannter Schuldenregulierungsplan erstellt werden, der genau aufschlüsselt, wann, wie und in welcher Form der Schuldner seine Verbindlichkeiten erfüllen will. Ist auch nur ein Gläubiger gegen diesen Vorschlag, gilt der Versuch als gescheitert. Damit ist die erste Voraussetzung für eine Privatinsolvenz aufgrund von Corona erfüllt.

Der Verbraucher kann nun die Insolvenzeröffnung beantragen. Nach der Insolvenzeröffnung startet das Gericht einen erneuten Einigungsversuch. Scheitert dieser ebenfalls, beginnt das eigentliche Insolvenzverfahren, welches schließlich mit der Restschuldbefreiung des Schuldners endet.

Beachten Sie, dass eine Verbraucherinsolvenz mit zahlreichen Entbehrungen verbunden ist. Sie müssen einerseits den pfändbaren Anteil Ihres Einkommens und Vermögens abgeben und andererseits bestimmten Obliegenheiten nachkommen, um ihre Restschuldbefreiung nicht zu gefährden. Es ist auf jeden Fall besser, eine Privatinsolvenz trotz Corona zu vermeiden. Suchen Sie das Gespräch mit Ihren Gläubigern, erklären Sie Ihre Situation und versuchen Sie z. B., eine Ratenzahlung auszuhandeln, um den Schuldenberg möglichst klein zu halten.

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